Navigation zum Seitenanfang zum Fernerkundungs-Lexikon zur Startseite zum Seitenende

ENSO-Lexikon

ENSO-Lexikon

F

Fernerkundung

Das Beobachten, Speichern, Kartieren und Interpretieren von Erscheinungen auf der Erdoberfläche oder auf der Oberfläche anderer Himmelskörper ohne direkten Kontakt des Aufnahmesystems, des sogenannten Sensors, mit dem zu erkundenden Objekt. Unterschieden werden photographische (Luftbilder) und nichtphotographische Aufnahmeverfahren (digitale Bilder, Radaraufnahmen), die von bemannten Flugzeugen, unbemannten Flugobjekten (Drohnen), bemannten Raumfahrzeugen und Satelliten oder auch von höher gelegenen Geländepunkten aus zur Erkundung der Erdoberfläche und der Atmosphäre genutzt werden.
Passive Fernerkundungsverfahren zeichnen elektromagnetische Strahlung auf, die von der Erdoberfläche reflektiert und/oder emittiert wird. Aktive Verfahren wie Radar oder Laser senden kohärente Strahlungsimpulse aus und registrieren die Laufzeit bzw. die Amplituden- und Phasendifferenz der von der Erdoberfläche rückgestreuten Signale.

Bitte beachten Sie

Fischerei

Der kommerziell betriebene Fang von Fischen und anderen im Wasser lebenden Tieren, wie z.B. Krabben, Krebsen oder Garnelen als Bereich der Nahrungswirtschaft und Rohstoffgewinnung. Streng genommen gehört die Jagd auf Wale nicht zur Fischerei, wohl aber der Fang von Mollusken (z.B. Octopus und Muscheln) sowie die Gewinnung von Algen, Schwämmen, Seemoos, Naturperlen und Bernstein. Die Fischerei bezieht auch die stark wachsenden Aquakulturen mit ein. Die Grenzen zur Fischwirtschaft, die sowohl Fang wie auch Verarbeitung umfasst, sind fließend.

Man unterscheidet nach Hochsee-, Küsten- und Binnenfischerei einschließlich Teichwirtschaft. Die ergiebigsten Fischereigewässer der Meeresfischerei liegen auf den Kontinentalsockeln, die sich von der Küste aus im Durchschnitt etwa 80 km ins Meer erstrecken. Diese Gewässer sind weniger als 200 m tief, sie besitzen günstige Strömungen und Temperaturen sowie ein reiches Nahrungsangebot. Hervorzuheben sind Bereiche der Nordsee, Gewässer entlang der Westküste Großbritanniens, vor Island, auf den Grand Banks of Newfoundland vor Ostkanada, auf den Georges Banks vor New England, vor dem Südwesten der USA, vor Peru, in der Beringsee, im Golf von Alaska und vor den Küsten Japans.

Bei der Meeresfischerei unterscheidet man die in der Nähe der Wasseroberfläche lebenden (pelagischen) Fische von den in der Tiefe und nahe des Meeresbodens lebenden Fische (Grundfische). Der Fang oder die "Ernte" wirbelloser Tiere - meist in flachen Gewässern - erbringt nur einen kleinen Teil des Gesamtertrages. Wirtschaftlich bedeutend sind u.a. Austern, Miesmuscheln, Kamm-Muscheln, Hummer und Tintenfische.

Jährliche Erträge lebender aquatischer Ressourcen

Jährliche Erträge lebender aquatischer Ressourcen

Der Wissenschaft sind heute mehr als 30.000 Fischarten bekannt. Etwa 1000 davon werden vom Menschen als Nahrung genutzt. Fische, oder allgemeiner aquatische Produkte, sind die wichtigsten Eiweißlieferanten in der Welternährung. Insgesamt holt der Mensch ca. 173 Mio. t Tiere und Pflanzen aus Meeren, Seen und Flüssen (Abb. 37.1), etwa die Hälfte davon sind Meeresfische. Die andere Hälfte setzt sich aus Muscheln, Krebsen, Tintenfischen und Algen zusammen. Etwa drei Viertel dieser Gesamtmenge geht in den menschlichen Konsum, zu fast gleichen Teilen aus der Fangfischerei und Aquakultur stammend.

Quelle: Hempel 2017

 

Die Fangmethoden, gewöhnlich der Einsatz von Netzen oder Leinen, gestalten sich in Abhängigkeit von den Lebensgewohnheiten der Tiere. Die bevorzugten Oberflächennetze sind die Ringwaden, lange, vorhangartige Netze, die an Schwimmern hängen. Sie werden kreisförmig um einen Fischschwarm gezogen und mit einem Seil am unteren Ende wie ein Beutel zusammengezogen.
Das Kiemennetz besitzt eine Maschenweite, die gerade groß genug ist, um den Kopf des Fisches durchzulassen, in der aber die Kiemen hängen bleiben. Kiemennetze lässt man meist an der Oberfläche treiben, um pelagische Fische zu fangen. Zum Fang von Grundfischen werden sie am Boden verankert.
Mit dem Grundschleppnetz (Trawl) werden Grundfische wie z.B. Dorsche gefangen. Es wird mit Hilfe von zwei langen Tauen geschleppt. In der Nähe der Öffnung des Netzes befinden sich zwei Bretter, die durch ihre Bewegung und den Widerstand des Wassers zur Seite bzw. nach unten gedrückt werden und dadurch das Netz offen halten.
Langleinen, die sowohl zum Fang von Fischen an der Oberfläche (z.B. Thunfische) als auch zum Fang von am Meeresboden lebenden Fischen (z.B. Heilbutt) verwendet werden, sind lange, schwere Taue, an denen Hilfsleinen mit langen, köderbesetzten Haken angebracht sind. Sie können mehrere km Länge haben und werden an verankerten Bojen befestigt oder von Schiffen gezogen. Nach dem Fang werden die Leinen von Winden eingeholt.
Die Schalentiere der Tiefsee (z.B. bestimmte Krebstiere und Venusmuscheln) fängt man mit Schleppnetzen. An der Küste werden Austern beispielsweise mit einem Austernrechen gesammelt. Ähnliches gilt für Kamm-Muschelarten, die im Wattenmeer leben. Hummer werden üblicherweise in Fallen aus Holz oder Draht gefangen.
Moderne Fischereiflotten besitzen große schwimmende Fischfabriken, die Netze mit einem Fang von 100 Tonnen Fisch über Heck einholen können. Auf ihnen werden die Fische ausgenommen und tiefgefroren. Solche Schiffe können monatelang in entlegenen Fischgründen arbeiten.
Sonartechnik dient der Lokalisierung, Arten- und Größenbestimmung von Fischschwärmen. Für das Auffinden von Fischschwärmen in Oberflächennähe werden Flugzeuge oder Hubschrauber eingesetzt. Schwärme einiger Arten wie z.B. Tintenfische werden mit starken Scheinwerfern angelockt und durch große Saugpumpen an Bord befördert.

Globale Produktion der Meeresfischerei

entwicklung_meeresfischerei

Die Meeresfischerei erlebte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen gewaltigen Aufschwung. Die Anlandungen sind von 16,8 Mio. t pro Jahr (1950) bis auf 86,4 Mio. t pro Jahr (1996) gestiegen; seither stagnieren die Fänge bei etwa 80 Mio. t pro Jahr, mit leicht fallender Tendenz. Die Stagnation der Erträge bedeutet jedoch keineswegs, dass ein stabiler, nachhaltiger Zustand erreicht ist, in dem sich Bestände und Fischereidruck im Gleichgewicht halten. Vielmehr erfordert der gleiche Ertrag an Fisch einen höheren globalen Fischereiaufwand, der sich seit den 1950er Jahren um 54 % gesteigert hat. Die leichter erreichbaren natürlichen Bestände werden durch die Befischung zunehmend reduziert. Die Kompensation erfolgt dadurch, dass die Fischerei auf andere Bestände ausweicht.

Quelle: WBGU nach FAO, 2012b: 5

 

Hinsichtlich einzelner Fischgründe und -arten gibt es deutlich Anzeichen einer Überfischung, die eine nachhaltige Bewirtschaftung der Ozeane gefährdet. In die Kritik geriet u.a. die Verwendung von Netzen mit zu engen Maschenweiten, in denen sich auch Jungfische verfangen, bevor sie sich fortpflanzen können. Ferner der Einsatz von Beutelschlagnetzen zum Fang von Thunfischen, wobei auch häufig Meeressäuger (u.a. Delphine) mitgefangen werden sowie die Verwendung von bis zu 64 km langen Treibnetzen, in denen sich auch nicht genießbare Arten verfangen.

Auf der hohen See gilt fischereirechtlich der Grundsatz der Freiheit des Fischfangs für alle Staaten und ihre Angehörigen. Die Fischerei in den Territorialgewässern und der darüber hinaus reichenden Fischerei- und Wirtschaftszone unterliegt der Regelung des Uferstaates.

Die globale Fischereiproduktion, die aus der FAO-Fischerei-Datenbank abgeleitet wurde, betrug 2016 90,9 Mio. Tonnen. Die marine Gesamtfangmenge betrug 81,2 Mio. Tonnen im Jahr 2015 und 79,3 Mio. Tonnen im Jahr 2016. Die Fänge von Sardellen (Engraulis ringens) durch Peru und Chile, die oft sehr groß sind, aber aufgrund des Einflusses von El Niño sehr unterschiedlich ausfallen, trugen 1,1 Mio. Tonnen zu diesem Rückgang bei.

a Excludes aquatic mammals, crocodiles, alligators and caimans, seaweeds and other aquatic plants.
b Utilization data for 2014–2016 are provisional estimates.
c Source of population figures: UN, 2015e.

Quelle: Sofia 2018

 

Im Zusammenhang mir dem Klimawandel ist anzumerken, dass die natürliche Variabilität abiotischer Faktoren in marinen Ökosystemen, z. B. der Wassertemperatur oder der Meeresströmungen, hoch ist und oft nichtlinear bzw. zyklisch verläuft. Das Studium der Wirkung der natürlichen Klimavariabilität kann wertvollen Aufschluss über die Folgen der globalen Erwärmung geben. Meeresökosysteme reagieren im Vergleich zu terrestrischen deutlich sensibler und schneller auf veränderte klimatische Bedingungen, mit nur schwer vorhersagbaren Änderungen der Artenzusammensetzung, räumlicher Verschiebung von Populationen oder umstrukturierten. Schon kleine natürliche Klimaänderungen können große Effekte auf marine Ökosysteme und Fischbestände haben– durch direkte Temperatureffekte, als Folge veränderter Primärproduktion oder auch durch Einflüsse auf wichtige Entwicklungsstadien.

Vor allem kleine, Plankton fressende Fischarten wie Sardine oder Anchovis zeigen starke natürliche Bestandsschwankungen, bei denen großskalige natürliche Klimavariationen eine wichtige Rolle spielen. So haben die kurzfristigen Störungen der ENSO-Ereignisse jeweils für etwa 2–3 Jahre tiefgreifende Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme des Peru-Humboldt-Strömungssystems (verringerte Nährstoffversorgung und somit geringere Primärproduktion, zum Teil Zusammenbruch von Fischpopulationen) und auf den weltweit produktivsten Fischbestand (peruanische Anchovis). Die Wirkungen der ENSO-Ereignisse sind jedoch reversibel, so dass in der Regel schon nach wenigen Jahren der „normale“ Zustand wieder erreicht wird.

Weitere Informationen:

Fischereihydrographie

Teilgebiet der Ozeanographie, das sich mit der Untersuchung der physikalischen und chemischen Schichtungsverhältnisse im Meer sowie den Strömungsmustern und Durchmischungszuständen befasst. Die Fischereihydrographie soll Erkenntnisse gewinnen in Bezug auf Fortpflanzungs- und Aufwuchsbedingungen sowie auf Wanderverhalten von kommerziell nutzbaren Fischbeständen und ihren Beuteorganismen.

Fischmehl

Das Fischmehl ist ein grobes, protein- (bis 72 %) sowie Vitamin-B12-reiches Pulver, das bei der Verarbeitung (Zerkleinern, Kochen, Pressen, Trocknen und Mahlen) von ganzen Fischen oder Fischrückständen entsteht, wobei als Begleitprodukt Fischöl abfällt. Die genaue Zusammensetzung von Fischmehl hängt vom Ausgangsmaterial ab.

fischmehl-bestandteile

Durchschnittliche Zusammensetzung von Fischmehl in %

 

Quelle: Eigene Grafik. Quelle der Daten: Bimbo, A. P. (1990):
Fish Meal and Oil.
In: Martin, R. E. and Flick, G. J. (Hrsg.):
The Seafood Industry. New York

 

Diese „Fischreduktion“ liefert einen Gewichtsertrag von ca. 20 % für das Fischmehl und 4 % für das Öl. Der Rest ist Wasserdampf oder geht als eiweißreiches Abwasser ins Meer. Hauptverwendungszweck des Fischmehls – und zum Teil auch des Fischöls – ist die Tierernährung (Geflügel, Schweine, Haustiere, Fische, Garnelen). In den letzten Jahrzehnten hat sein Einsatz in der Aquakultur sprunghaft zugenommen (auf 35 % Gesamtanteil im Jahr 2000). Prognosen gehen davon aus, dass der schnell wachsende Aquakultursektor seinen Bedarf an Fischmehl noch beträchtlich steigern wird, was den Weltmarktpreis und den Druck auf die Bestände der pelagischen Schwarmfische weiter erhöhen wird. Der die Weltfischerei entlastende Aquakultursektor setzt also besonders die Fischbestände der Auftriebsregionen unter erheblichen zusätzlichen Druck. Aus Sicht eines armen Landes wie Peru ist es allerdings bei dem derzeit hohen (und vermutlich noch zunehmenden) Marktwert des Fischmehls schwierig, sich von dieser „Fischreduktion“ zu verabschieden. Trotzdem wird auch in Peru bereits versucht, einen Teil der Sardellenfänge als Frischfisch zu vermarkten. (Wolff 2017)

Üblicherweise besteht der Rohstoff aus kleinen pelagischen Fischarten (Sardinen und Anchovis) und Beifängen. Ferner zeichnen sich die Arten durch kurze Generationszeiten aus. Hauptsächlich werden für die Produktion von Fischmehl Bestände der Peruanischen (Engraulis ringens) sowie der Japanischen Sardelle (Engraulis japonicus), der Japanischen Makrele (Scomber japonicus) und der Chilenischen Bastardmakrele (Trachurus murphyi) genutzt.

Fischmehl - Wertschöpfungskette

Fischmehl und -öl - Wertschöpfungskette

Der Großteil des Fischmehls stammt aus der Fischerei (ca. 65 -75 %). Schätzungen zufolge wird derzeit ca. 25 - 30 % des Fischmehls aus Bei- oder Nebenprodukten gewonnen (Schlachtabfälle, Beifang etc.). Bei der Zusammensetzung gibt es jedoch regionale Unterschiede.

Das Gros (ca. 75 %) des weltweit produzierten Fischmehls wird in der Fischzucht verwendet und nur ca. 25 % für die Aufzucht anderer Nutztiere, wie Hühner und Schweine. Die mengenmäßig größten Verbraucher dieses Rohstoffs in der Aquakultur sind Garnelen, Salmoniden (vorwiegend Lachse) und marine Fischarten (z. B. Dorade und Wolfsbarsch).

Quelle: Aquakulturinfo

 

Früher als Düngemittel verwendet, ist heute der Hauptverwendungszweck von Fischmehl die Tierernährung, hauptsächlich bei Geflügel, Schweinen, Haustieren und in Aquakulturen (z.B. Garnelen und Lachs), alles überwiegend Massentierhaltungen.
Die für die Tierernährung eingesetzten Mengen Fisch entsprechen ca. 35 % der weltweiten Fischproduktion (aus Wildfängen und Fischzucht). Aus 3 kg Fischprotein entstehen z.B. maximal 1 kg Hühnerprotein.

Das Beiprodukt Fischöl wird u.a. zur Herstellung von Margarine, Linoleum, Lederfarbstoffen, Druckfarbe und Schmiermitteln genutzt.

Die Fischmehlproduktion ist wenig arbeitsintensiv und gleichzeitig stark umweltbelastend. Das Brauchwasser, das sowohl für den Rohrtransport des Fisches von den Kuttern in die Fabriken benötigt wird, wie auch für die eigentliche Produktion, wird in die Buchten abgelassen. Das Pumpenwasser enthält große Mengen von Fischresten, Öl und Blut. Diese organischen Stoffe entziehen bei ihrem Abbau dem Wasser Sauerstoff und verunreinigen die Strände. Beim Kochen des Rohstoffs werden mit dem Wasserdampf Fischmehlpartikel emittiert. Dies führt zu Geruchsbelästigungen und Atemwegs- und Hauterkrankungen, besonders bei Kindern.

Im Anhang befindet sich eine Grafik, die dieses Wirkungsgefüge illustriert.

Fischmehl - Produktionsprozess

Fischmehl und -öl - Produktionsverfahren

Fischmehl wird immer nach dem gleichen Prinzip hergestellt, ungeachtet, ob ganze Fische oder Teilstücke verwendet werden. Der gesamte Prozess verläuft in drei Schritten:

1. Thermische Behandlung

2. Verpressung oder Zentrifugation

3. Trocknung

Der getrocknete Kuchen wird anschließend zu Mehl gemahlen. Fischmehl weist eine Restfeuchte von weniger als 10 % auf.

Quelle: Aquakulturinfo

 

Die der südamerikanischen Fischmehlindustrie zuliefernde Industriefischerei ist verantwortlich für die starke Überfischung der Fischgründe. Das überstarke Abfischen der kleinen Fischarten, die größeren Fischen als Beutetiere dienen, vermindert auch deren Population. Dies wiederum schadet der küstennahen und arbeitsintensiven Kleinfischerei. Diese subsistent wirtschaftenden Fischer konzentrieren sich auf größere und wertvollere Fischarten. Mit viel geringeren Fangmengen können sie einen vergleichsweise hohen Verdienst erreichen.

biobagFischmehl dryersFischmehl

fischmehl_exp_imp

Säcke mit Fischmehl

Fischmehl-Fabrik

World fishmeal export and import 2007 (FAO Fishstat 2009)

Quelle: NHH

Der Zusammenbruch der Sardellenfischerei und damit der Fischmehlproduktion an der Westküste Südamerikas im Gefolge des El Niño-Ereignisses von 1972/73 hatte eine unerwartete Nebenwirkung für die globale Landwirtschaft. Es musste Ersatz für das eiweißhaltige und relativ billige Viehfutter gefunden werden. Man fand ihn in der Sojabohne, deren Anbau rapide ausgeweitet wurde. Auch nach der Erholung der Fischereiindustrie im westlichen Südamerika ist die Sojabohne zunehmend gefragt, auch als Ersatz für tierisches Eiweiß in der menschlichen Ernährung.

Peru ist der größte Fischmehlproduzent der Welt und trägt mit rund 18 Prozent zur Weltproduktion bei. In 24 peruanischen Küstenstädten wird Fischmehl produziert. Es ist Perus wertmäßig viertgrößter Exportartikel nach Gold-, Kupfer- und Erdölexporten. Die Gesamtexporte erreichten 2018 1,5 Milliarden Dollar. China wird auf absehbare Zeit Perus führender Exportmarkt für Fischmehl bleiben. Allein China nahm 80 Prozent der peruanischen Fischmehlexporte des MY 2018/2019 auf und konnte damit den Marktanteil gegenüber dem Vorjahr halten. Weitere wichtige Exportmärkte sind Japan (4,8 Prozent), Vietnam (4 Prozent) und Taiwan (2,9 Prozent). (USDA)

 

fao_fishmeal_soybean_prices

 

 

Utilization of by-products for animal feed

Global demand for fishmeal and fish oil has been increasing, as have their prices. Hence, these are no longer low-value products. There is an increasing trend in the use of pelagic fish directly for human consumption rather than for fishmeal and this, combined with measures such as tight fishing quotas and improved regulation and control of feed fisheries, has contributed to the increase in the prices of fishmeal and fish oil. As a result, the proportion of fishmeal coming from fish processing by-products increased from 25 % in 2009 to 36 % in 2010. Thailand, Japan and Chile are large producers of fishmeal from by-products.
According to estimates by the International Fishmeal and Fish Oil Organisation, the aquaculture industry utilized 73 % of the fishmeal produced in 2010 and, therefore, this product contributes indirectly to food production. In the case of fish oil, the estimates are that 71 % goes for aquafeed and 26 % for human consumption.
In many countries, fish processing establishments are small or medium-sized, and the amount of processing by-products generated may not be sufficient to justify running a fishmeal plant. Producing silage from these by-products would be a convenient and relatively inexpensive way of preserving them. This is common practice in Norway, where silages from different farmed salmon slaughtering plants go to a centralized processing plant. The pooled silage is then processed into an oil and aqueous phase that evaporates to a concentrated fish protein hydrolysate with a dry matter content of at least 42-44 %. This is used along with fish oil in feed for pigs, poultry and fish other than salmon. Some large fish-slaughter plants process byproducts using commercial enzymes to obtain hydrolysates and oil of very high quality.

 

Nutraceuticals and bioactive ingredients
Long-chain polyunsaturated fatty acids, EPA and DHA are perhaps the most commercially successful marine lipids derived from fish oils. Despite starting slowly in around 2000, the market for omega-3 has grown considerably. According to some market studies, the global demand in 2010 for omega-3 ingredients was US$1.595 billion. The pharmaceutical and food industries use gelatine as an ingredient to improve properties such as texture, elasticity, consistency and stability. Global gelatine production in 2011 was about 348 900 tonnes, with 98–99 % coming from porcine and bovine hides and bones and about 1.5 % from fish and other sources. The market price for fish gelatine tends to be 4–5 times higher than that of mammalian gelatine, but it has applications in halal and kosher foods. Because of its rheological properties (in terms of physical consistency and flow), gelatine from warmwater fish can be an alternative to bovine gelatine in food and drug coatings. Gelatine from coldwater fish has applications in frozen and refrigerated foods.

 
Quelle: FAO - The State of World Fisheries and Aquaculture 2014, S. 170ff

fao_fishoil_soybeanoil_prices

Die Fischmehlproduktion erreichte 1994 mit 30 Millionen Tonnen (Lebendgewichtäquivalent) ihren Höhepunkt und folgt seither einem schwankenden, aber insgesamt rückläufigen Trend. Ein wachsender Teil des Fischmehls wird aus Fisch-Nebenprodukten hergestellt, die zuvor oft ungenutzt blieben. Es wird geschätzt, dass verwertete Nebenprodukte etwa 25 bis 35 Prozent der gesamten Menge an Fischmehl und Fischöl ausmachen. Fischmehl und Fischöl gelten nach wie vor als die nährstoffreichsten und bekömmlichsten Inhaltsstoffe für Zuchtfischfutter, aber ihre Einarbeitung in Mischfuttermittel für die Aquakultur zeigen einen deutlichen Abwärtstrend, da sie selektiver eingesetzt werden.

Fischöl

Aus dem Depotfett fettreicher Fischsorten (besonders Makrele, Sardelle, wilder Lachs, Hering) durch Erhitzen unter Druck bei der Herstellung von Fischmehl gewonnenes, sehr vitaminreiches fettes Öl, das nicht nur zur Tierfütterung eingesetzt wird, sondern insbesondere durch die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren (Linolensäure, Eikosapentaensäure, Docosahexaensäure; Fettsäuren) ernährungsphysiologisch von großer Bedeutung ist.

Diese Omega-3-Fettsäuren werden von bestimmten Mikroalgen gebildet und reichern sich über die Nahrungskette besonders in fettreichen, marinen Kaltwasserfischen an. Diese benötigen die Fettsäuren u. a. zur Aufrechterhaltung einer ausreichenden Elastizität (Fluidität) der Zellmembranen bei geringen Wassertemperaturen.

Aufgrund der Bedeutung für die menschliche Ernährung (gesundheitliche Effekte s. unten), aber auch als wertvoller Bestandteil einer artgerechten Fischnahrung (besonders wichtig während der Reproduktion, Laichfischfutter) wird Fischöl schon seit Jahrzehnten in der Aquakultur (insbesondere bei karnivoren Fischarten, verstärkt auch in der Garnelenzucht) verwendet. In den letzten Jahren ist die Nachfrage von Fischöl als Nahrungsergänzungsmittel für den direkten menschlichen Verzehr stark angestiegen. Dies ist auf die zahlreichen gesundheitsfördernden Eigenschaften der Omega-3-Fettsäuren zurückzuführen (antithrombotisch, triglyceridsenkend, antiatherogen, antihypertensiv, antiarrhythmisch, antientzündlich, immunmodulatorisch und antikatabol).

Für Fische wie für Menschen sind die im Öl enthaltenen Fettsäuren DHA und EPA essentiell, d. h. sie können nicht selbst synthetisiert (hergestellt) werden, sondern müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für einen gesunden Erwachsenen eine tägliche Aufnahme von 1 – 1,5 g dieser Omega-3-Fettsäuren. Der Wert bezieht sich allerdings auf pflanzliche Fettsäuren (z. B. α-Linolensäure), die nicht so hochwertig sind wie EPA, DHA und DPA. Empfehlenswert sind mindestens 1 – 2 (Fisch-)Mahlzeiten wöchentlich, abhängig vom tatsächlichen Gehalt essentieller Fettsäuren, der artspezifisch, aber auch im Hinblick auf die Nahrung (Fischöl), variiert.

Von den ca. 171 Mio. t Gesamtproduktion von Fischen und anderen Wasserorganismen (Fischerei und Aquakultur) im Jahr 2016 dienten ca. 151 Mio. t direkt der menschlichen Ernährung (siehe auch Artikel Aquakultur in Zahlen). Der größte Teil (ca. 15 Mio. t Lebendgewicht) der übrigen 20 Mio. t wurde zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet. Die Menge gewonnen Fischöls lag in den Jahren von 2012 bis 2016 bei ca. 1 Mio. t jährlich und ist seit geraumer Zeit relativ stabil. Dies wurde u. a. durch die Substitution des Fischölanteils im Futter durch Pflanzenöle (z. B. Soja- oder Rapsöl) und die Entwicklung und Optimierung artspezifischer Futter und des Fütterungsmanagements erreicht.

Der Großteil des Fischöls stammt aus der Fischerei (ca. 65 -75 %). Schätzungen zufolge wird derzeit ca. 25 - 30 % des Fischmehls aus Bei- oder Nebenprodukten gewonnen (Schlachtabfälle, Beifang etc.). Bei der Zusammensetzung gibt es jedoch regionale Unterschiede. In Europa sind es ca. 54 %. Es wird damit gerechnet, dass der Anteil von Nebenprodukten weiter ansteigen wird. Das Gros (ca. 75 %) des weltweit produzierten Fischöls wird in der Aquakultur verwendet.

Der Preis des Fischöls  (pro Tonne) in den Niederlanden stieg von unter 800 USD Anfang der 2000er auf über 2000 USD im Jahr 2016. Eine Tonne Sojabohnenöl kostet im Vergleich knapp über 800 USD. Bis zum Jahr 2030 wird mit einem weiteren Anstieg des Preises gerechnet.

Flavo(u)r

In der englischsprachigen Fachliteratur häufig zu findender Begriff für ‚Typ‘ oder ‚Variante‘ eines Phänomens. Beispielsweise gibt es verschiedene ‚flavours‘ von El Niño-Southern Oscillation (ENSO). Diese verschiedenen Varianten beziehen sich meist auf das Gebiet, wo die Anomalien der Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Pazifik am stärksten sind. Beim El Niño sind dies vor allem:

  • Ostpazifik-El Niño (a.k.a. Cold Tongue, Conventional oder Canonical El Niño)
  • Zentralpazifik-El Niño (a.k.a. Modoki, Warm Pool oder Dateline El Niño)

ENSO Flavors

../images/ssta_ndj98_0
../images/ssta_ndj05

Ostpazifik-El Niño (a.k.a. Cold Tongue, Conventional, or Canonical El Niño)
Sea surface temperature anomalies (departures from average) during November 1997- January 1998. Data based on OISSTv2 and using a 1981-2010 base period.

 

Zentralpazifik-El Niño (a.k.a. Modoki, Warm Pool, or Dateline El Niño)
Sea surface temperature anomalies (departures from average) during November 2004- January 2005. Data based on OISSTv2 and using 1981-2010 base period.

It is pretty clear that above-average sea surface temperatures (SSTs) are largest in the central Pacific during the 2004-05 El Niño and in the eastern half of the Pacific during the 1997-98 El Niño. However, some El Niño cases aren’t easily defined by these two categories.
Quelle: ENSO Blog

Flussoase

Oase (Gebiet dichteren Pflanzenwuchses in einer Wüsten- oder Halbwüstenumgebung), die durch einen aus einer niederschlagsreichen Region zuströmenden Fremdlingsfluss mit Wasser gespeist wird. Bekannteste Beispiele sind die Flussoasen von Nil, des Tafilalet und von Mesopotamien mit ihren z.T. regelmäßigen Uferüberschwemmungen. Auch die Küstenwüsten Perus weisen Flussoasen auf, die schon seit vorkolumbianischer Zeit agrarisch genutzt werden.

  • Relevante Atlaskarte (Tinajones, Peru - Bewässerung/Entwicklungshilfe): Diercke Weltatlas (2008), S. 217
Foraminiferen

Foraminiferen sind im Meer lebende Einzeller (Protozoa), die im Durchschnitt 0,5 mm und kleiner sind (Kleinforaminiferen), aber auch 1-2 mm und mehrere Zentimeter groß werden können (Großforaminiferen). Ihre Gehäuse bestehen meist aus Kalziumkarbonat (CaCO3 = Calcit oder Aragonit und Spurenelementen) oder aus Fremdpartikeln in einer organisch-tektinösen Matrix.

Foraminiferen sind ein- oder mehrkammerig und außerordentlich formenreich. Circa 80.000 Arten sind rezent und fossil beschrieben. Sie sind seit dem Kambrium, das heißt, seit 540 Mio. Jahren bekannt und leben am oder im Meeresboden (sessil, epi-, endo-benthisch), seit dem Jura auch in der Wassersäule schwebend (planktonisch). Sie besiedeln alle Meerestiefen vom flachsten Wattenmeer bis in die tiefsten Tiefseegräben, von den Tropen bis zu den Polregionen mit unterschiedlichen Arten und charakteristischen Assoziationen.

Weil sie in der Erdgeschichte eine intensive phylogenetische Evolution durchlaufen haben, eignen sich viele von ihnen, die eine relativ kurze Zeitspanne existierten, als sehr gute Leit-Fossilien für die relative Altersbestimmung der Sedimentgesteine (Biostratigraphie). Zudem liefern sie wichtige Hinweise für die Rekonstruktion der Ablagerungsbedingungen (Paläo-Environment, Paläo-Geographie).

Da die mineralisierten Gehäuse Träger chemischer Informationen (Sauerstoff-, Kohlenstoff-Isotope, Magnesium, Cadmium, Barium, Zink, Bor, Uran, Strontium, Neodym) sind, lassen sich bei guter Erhaltung in Analogie zu heutigen Verhältnissen Rückschlüsse auf frühere Wassermassen (Paläo-Ozeanographie) oder Klimabedingungen (Paläoklima) ziehen.

Foraminiferen sind eine der häufigsten Gruppen in marinen Schichtgesteinen. Sie sind von Bedeutung bei der Suche nach marinen Rohstoffen, bei der Klima-Analyse der jüngsten Vergangenheit oder der Chemostratigraphie. (BGR)

Foraminiferen

Foraminiferen

Foraminiferen haben eine Fossiliengeschichte, die sich von heute bis vor mehr als 500 Mio. Jahren erstreckt. Obwohl jede Foraminifere nur eine einzige Zelle ist, bauen sie aus Mineralien im Meerwasser komplexe Schalen um sich herum. Diese Muscheln haben sich in Sedimentschichten am Meeresboden des offenen Ozeans angesammelt und finden sich damit auch in Teilen der Landoberfläche, die früher Meeresboden war. Durch die Untersuchung der chemischen Zusammensetzung dieser Foraminiferenschalen können Wissenschaftler das Erdklima erforschen und erfahren, wie sich das Klima in der Vergangenheit änderte.

Auf diesem Foto aus einem flachen Korallenriff im Pazifik gibt es drei Arten von Foraminiferen. Auf der linken Seite Peneroplis planatus. Im Zentrum Amphistegina lessonii. Und auf der rechten Seite Laevipeneroplis sp. Ihre Farben stammen von den symbiotischen Algen, die in den Foraminiferenschalen leben. Genau wie Korallen werden diese Foraminiferen gebleicht, wenn die Meerestemperaturen hoch genug werden, um die bunten Algen abzutöten.

Quelle: Smithsonian Institution

 

Weitere Informationen:

Forcing

Begriff, der noch keine allgemein anerkannte Übersetzung besitzt, häufig englisch verwendet wird und am ehesten mit "Antrieb(sfaktor)" oder "Auslösekraft" ins Deutsche übertragen werden kann.

Man unterscheidet bei einem System externes Forcing und internes Forcing. Externes Forcing bezeichnet hierbei Mechanismen bzw. Faktoren, die von Veränderungen im System nicht beeinflusst werden. In Bezug auf das Klimasystem werden beispielsweise Änderungen in der Solarstrahlung als externes Forcing bezeichnet. Zu internem Forcing gehören Vulkanausbrüche, biochemisches Forcing, interne Dynamik wie ENSO, Änderungen in der Eisbedeckung oder CO2-Anstieg. Als langfristiges internes Forcing gelten die Plattentektonik oder Änderungen in der Polarität des Erdmagnetfeldes.

Front

Luftmassengrenze in der unteren Atmosphärenschicht (Troposphäre) mit starkem thermischen Gegensatz, also eine Unstetigkeitsfläche in der Temperaturverteilung. Das vereinfachte Modell der troposphärischen Front ist eine formal von zwei Flächen begrenzte, geneigte barokline Schicht, welche zwei Luftmassen mit unterschiedlicher Dichte und Temperatur trennt. Je nach Richtung der frontsenkrechten Bewegung handelt es sich dann um eine Kaltfront oder eine Warmfront. Fronten entstehen z.B. in Zyklonen, welche auf der Westseite polare Luftmassen nach S und auf der Ostseite tropische Luftmassen nach N führen (Nordhalbkugel), die im Wirbel aufeinandertreffen. Fronten zeichnen sich durch Konvergenz, Wolkenbildung und Niederschläge aus.

Frühwarnsystem

Engl. Early Warning System (EWS); Einrichtung, welche aufkommende Gefahren frühzeitig als solche erkennt, und Gefährdete möglichst schnell darüber informiert. Es soll ermöglichen, durch eine rechtzeitige Reaktion die Gefahr abzuwenden oder zu mildern. Teile von Frühwarnsystemen können folgende Bereiche sein: Messungen, Sammlung der Daten, Überwachung, Einschätzung, Warnung / Verbreitung, Automatische Reaktion, Entwarnung, Voraussetzungen / Vorsorge.

fühlbare Wärme

Als fühlbare oder sensible Wärme bezeichnet man Wärme bzw. thermische Energie, die sich bei Zufuhr oder Abfuhr unmittelbar in Änderungen der Temperatur äußert und damit direkt fühl- bzw. messbar ist. Sensible Wärme gelangt von warmen Oberflächen durch Wärmeleitung bzw. Wärmestrahlung in die Atmosphäre und wird dort durch Konvektion weiter transportiert. In der Atmosphäre wird durch Verdunstung ein Teil der sensiblen Wärme in latente Wärme überführt, sodass die Lufttemperatur abnimmt.

Der Begriff wird vor allem als Abgrenzung gegenüber der latenten Wärme genutzt. Das Verhältnis zwischen fühlbarer und latenter Wärme wird Bowen-Verhältnis genannt.