Auswirkungen von ENSO auf die Fischwelt

Der Fischreichtum vor der Westküste Südamerikas

Überblick

Vor den Küsten Perus liegt einer der ertragsreichsten Fischgründe der Welt. Rund 15 bis 19 Prozent des weltweit gefangenen Fischs stammen von hier, vor allem kleine Arten wie etwa Sardinen und Anchovis, eine Sardellenart (Engraulis ringens), die im Oberflächenwasser lebt. Darüber hinaus finden sich hier größere Stachelmakrelen sowie schnell wandernde Arten wie etwa Haie oder Thunfische.

Nach Angaben des Meeresinstituts (IMARPE) gibt es in den peruanischen Gewässern etwa 1000 identifizierte Fischarten, von denen aber nur 60 eine kontinuierliche Fischerei aufrecht erhalten könnten.

Typen von Fischereibooten

 

 

Typen von Fischereibooten mit unterschiedlicher Ausrüstung im Südostpazifik

Von links nach rechts: ein chilenischer Ringwaden; ein Thunfischringwaden in tropischen Gewässern des nördlichen Teils der Fishing Area 87; ein peruanischer Ringwadenfänger; ein Trawler; und ein kleiner Ringwaden.

Ringwadenfänger sind die wichtigsten und effektivsten Schiffe, um oberflächennahe Fischschärme zu fangen. Das Schiff umgibt den Schwarm mit einem tiefen Netzvorhang, dann wird der untere Teil des Netzes unter dem Schwarm geschlossen.

Quelle: NOAA

 

So befindet sich Peru unter den bedeutendsten Fischereinationen. Der Fischfang und dessen Verarbeitung gehört zu den wichtigsten Exportzweigen des Landes. Peru hatte schon 1970 mit einem Gesamtfang von rund 12 Mio. Tonnen zu mehr als 20 % an den Gesamtanlandungen der Welt an Seefischen beigetragen. Allerdings gehen seit 1990 die Fangmengen zurück. Die Fanglizenzen sind grösstenteils an chinesische Flotten vergeben. 28,4 % des Fischfangs wird mit Fischkuttern innerhalb der 5 Meilen Zone an der Küste handwerklich betrieben. Von 18.000 Fischerbooten sind 8.300 registriert oder bemühen sich um Aufnahme staatliche Registrierung. Etwa 10.000 sind nicht den Behörden gemeldet. Es wird angestrebt alle Fischkuttern mit einer Lagerkapazität von über 6.48 bis 32.3 Kubikmeter zu registrieren. Die peruanische Küste verfügt über mehr als 40 Fischereihäfen. Paita und Callao sind die beiden wichtigsten Häfen.

2017 wurden für 2.533 Mio $ Fischereiprodukte exportiert. 2018 wurden ca. 6 Millionen Tonnen Sardellen (Engraulis ringens) gefangen. Tintenfische sind die zweitwichtigste Fangart. Von dieser handwerklich betriebenen Fischerei hängen mehr als 14,000 Fischer ab. Thunfisch wird 2019 voraussichtlich wertmässig für 250 Millionen US$ exportiert und 10 Millionen Dosen im Inland verkauft. Hinzu kommen noch Makrelen und Kabeljau. China ist Abnehmer von mehr als der Hälfte der peruanischen Fischereiprodukte.

Die Fischerei hat allerdings für Peru an Bedeutung verloren: Die traditionellen Exporte (Fischmehl und -öl) beliefen sich 2017 auf 0,8 Mrd. US Dollar, wobei die nichttraditionellen Exporte (Produkte für den direkten menschlichen Konsum) 1 Mrd. US Dollar betrugen.

Fischmehl ist das wichtigste Produkt der peruanischen Fischereiinduststrie und Peru weltweit grösster Hersteller überhaupt. Zwischen 2012 und 2016 wurden hier jährlich im Schnitt 799.900 Tonnen erzeugt und 867.100 Tonnen exportiert. (Wikipedia)

Bezogen auf die Fangmenge, ist die Peruanischen Sardelle (Engraulis ringens) der weltweit wichtigste Fisch. Der Fang wird zu großen Teilen zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet, das in Aquakulturbetrieben an größere Zuchtfische verfüttert wird. Die Sardellen haben eine sehr schnelle Wachstumsrate und Reifezeit (~1 Jahr) und eine kurze Lebensdauer (~4 Jahre). Diese Eigenschaften verschaffen der Sardellenart einen hohen Widerstand gegen den Fischereidruck und erlauben eine rasche Reaktion auf Umweltschwankungen wie El Niño.

Der kalte Humboldtstrom transportiert vor der Westküste Südamerikas Wassermassen küstenparallel von Süden nach Norden. Ablandige und küstenparallele Winde treiben mit Hilfe des Ekmantransports das Oberflächenwasser seewärts. Ausgleichend steigt nährstoffreiches Tiefenwasser an der Schelfkante nach oben. Solche Auftriebsregionen (upwelling systems) werden daher durch nähr-und sauerstoffreiches, kühles und turbulentes Wasser geprägt – ideale Voraussetzungen für die massenhafte Vermehrung großer Phytoplanktonarten wie Diatomeen, die anderswo absinken würden. Die Phytoplanktonblüte ernährt Filtrierer wie die peruanische Sardelle (Anchovis). Der Humboldtstrom produziert regelmäßig mehr als 20 mal so viel Fisch wie andere Auftriebssysteme (z.B. die Kanaren- oder Benguela-Systeme).

ENSO, die weltweit stärkste, immer wiederkehrende natürliche Klimaschwankung stört mit seiner warmen Phase (El Niño) das marine Kaltwasser-Ökosystem Humboldtstrom: planktische Algen sterben ab, Fische finden keine Nahrung und Seevögel und Robben keine Fische mehr. Der Zusammenbruch des Nahrungsnetzes in El Niño-Zeiten führt erfahrungsgemäß zu einem deutlichen Rückgang der Nutzfischbestände und zu einem drohenden Zusammenbruch der Fischerei.

Was sind überhaupt Auftriebswässer?

Auftriebswässer sind Wassermassen, die aus 50 bis maximal 300 m Tiefe an die Oberfläche gelangen, weil dort durch bestimmte - wind- und reliefbedingte - Strömungsverhältnisse Wasser horizontal verfrachtet wird und das entstehende Defizit aus Kontinuitätsgründen durch den Zustrom ausgeglichen werden muss.

Schon im 16. Jahrhundert wussten die spanischen Seefahrer, dass das Meer vor der kargen Küste Nordchiles und Perus nordwärts in Richtung Äquator strömt. Wer in südliche Richtung segeln musste, war darauf angewiesen, den Januar abzuwarten, der den Beginn des Sommers auf der Südhalbkugel markiert. Denn nur in dieser Zeit flauen die starken Südwinde ab und gelegentlich auftretende Nordwinde ermöglichen es den Schiffen, diese Küste auch südwärts zu besegeln.

Alexander von Humboldt (1769–1859) war der Erste, der bei seiner Südamerikareise 1802/1803 die Wassertemperatur entlang der pazifischen Küste bestimmte und feststellte, dass sie mit 15–16 °C für diese tropischen Breiten (8–12° Süd) sehr niedrig war. Er nahm an, dass das Wasser vor den Stränden Limas aus den kalten Regionen des Südpolarmeeres stammt. Humboldt beobachtete auch, dass es ozeanwärts, außerhalb des kühlen Stroms, 25–26 °C warm war. Seine Entdeckungen führten bald zur Namensgebung des Humboldtstroms. Es sollte aber noch einige Jahrzehnte dauern, bis der Mechanismus, der das kalte Wasser an die Küste bringt, genauer beschrieben wurde.

Der preußische Kapitän Dinklage, der 1874 eine Reise nach Lima durchführte, bezeichnete diesen Vorgang erstmals als Auftrieb und erklärte, dass dabei das Wasser der Meeresoberfläche durch die Windkraft seewärts gedrückt wird und als Kompensation kaltes Wasser aus der Tiefe nachströmt und bis zur Oberfläche gelangt. Dieser Prozess wurde später insbesondere von den Ozeanographen Gunther, Schott, Sverdrup und Wyrtki näher untersucht. Auch beschrieben sie die Rolle der Erddrehung (Corioliskraft) bei der Entstehung des Auftriebs. Heute ist bekannt, dass die Struktur des Humboldtstromsystems komplexer ist als seinerzeit angenommen und dass es ozeanische und küstennahe Verzweigungen sowie Gegenströmungen in südlicher Richtung gibt. (Wolff 2017)

Gebiete mit diesem - im Englischen "upwelling" genannten - Vorgang finden sich einerseits an den Grenzen der großen Ozeane zu den N-S-verlaufenden Kontinenten, andererseits teilweise entlang des Äquators, wo Wassermassen divergieren (auseinanderströmen). Zur ersten Gruppe gehören die Gebiete vor Kalifornien, Peru, NW-Afrika und SW-Afrika. Auch im Indischen Ozean gibt es Auftriebsgebiete, die hier allerdings durch den jahreszeitlich bedingten Wechsel der Monsunwinde maßgeblich beinflusst werden. Nur im Sommer, wenn die Winde aus Südost wehen, gibt es starke Auftriebserscheinungen, z. B. vor der somalischen und der südarabischen Küste. Äquatoriales Upwelling ist besonders in der östlichen Pazifikhälfte ausgeprägt.

Äquatoriales Upwelling

 

Äquatoriale Divergenz mit Upwelling und polwärtigem Massentransport

Ostwinde (grüner Pfeil) ziehen das Oberflächenwasser nach Westen entlang des Äquators. Die Erdrotation lenkt die Westströmung nach rechts in der nördlichen Hemisphäre ab und nach links auf der südlichen Hemisphäre (Corioliseffekt). Dabei treiben die Winde das Oberflächenwasser vom Äquator weg (Divergenz) und bringen nährstoffreiches und kaltes Wasser von unten nach oben (Pfeile nach oben).

Darüber hinaus führen die Winde dazu, dass sich auf der Westseite des Pazifiks warmes Oberflächenwasser ansammelt. Aufgrund der geringeren Dichte des wärmeren Wassers ist der Meeresspiegel auf der Westseite des Beckens etwa zwei Fuß höher als auf der Ostseite, wenn die Winde mit voller Kraft wehen. Die Thermokline, die die Grenze zwischen warmem Oberflächenwasser und kaltem Tiefenwasser (dunkleres Blau) markiert, ist gekippt. Sie reicht bis fast an die Meeresoberfläche im östlichen äquatorialen Pazifik.

Quelle: SEOS

 


Kaltwasserzunge im Ostpazifik

 

Kaltwasserzunge entlang des Äquators im Ostpazifik als Folge von Divergenz mit Upwelling

Die Meeresoberflächentemperaturen im Juli 2014 (eine ENSO-neutrale Periode) zeigen die Zunge des kalten Wassers, die sich über den östlichen tropischen Pazifik erstreckt, wenn die SE-Passatwinde normal wehen.

Diese Winde drücken das Wasser nach Westen und vom Äquator weg. Kaltes Wasser aus der Tiefsee steigt auf und ersetzt es. Die Galápagos-Inseln sitzen mitten in der Zunge des kalten Wassers.

Während El Niño flauen die Passatwinde ab, und die Kaltwasserzunge verschwindet.

Quelle: climate.gov
 

Damit sich küstennahes Upwelling einstellt, muss der Wind an den östlichen Ozeangrenzen generell äquatorwärts wehen, an den westlichen Ozeangrenzen polwärts, wobei diese zweite Situation deutlich seltener auftritt.

Entsprechend erklärt sich der vertikale und nicht horizontale Zustrom im ersten Typ von Auftriebsgebieten daraus, dass von der Landseite kein Wasser nachströmen kann, beim zweiten daraus, dass beim Divergenzvorgang Wasser einer äquatornahen O-W-Strömung horizontal nach N und S verfrachtet wird und deshalb die Flanken der Zone mit Massendefizit kein Wasser liefern können.

Vor der südamerikanischen Westküste entstehen die Auftriebswässer durch die süd-/südöstlichen und damit küstenparallelen bis ablandigen Passatwinde, die das oberflächennahe Wasser über komplizierte physikalische Vorgänge (Ekman-Spirale) meerwärts treiben. Das stärkste Aufquellen findet nicht bei Südost-, sondern bei Süd-Winden statt. Der notwendige Wassernachschub erfolgt in Form des vertikalen Auftriebs ganzjährig aus Tiefen von bis zu 300 m (ø 130 m) mit einer Geschwindigkeit von 0,25 bis 0,75 m pro Tag, dauert also mindestens etwa viereinhalb Monate pro 100 m.

Das Auftriebswasser ist einerseits sauerstoffarm, andererseits  nitrat-, phosphat- und silikathaltig, mithin nährstoffreich. Es vermischt sich mit dem originären Wasser (Humboldtstrom), das aus der von Stürmen aufgewühlten Westwinddrift im Süden stammt und deshalb mit Sauerstoff geradezu aufgeladen ist. So verbinden sich Sauerstoff- und Nährstoffreichtum zu besten Voraussetzungen für eine ungewöhnlich reichhaltige Belebung im Bereich des Humboldtstromes. Der Küstenabschnitt von Nordchile über Peru bis nach Ecuador gilt als beispielhaft für ein Auftriebsgebiet. Beides – die Strömungsrichtung von Süden nach Norden und das Auftriebwasser – bedingen, daß der Humboldtstrom ein ausgesprochener kalter Wasserkörper ist.

"Kalt" bedeutet, dass die Wassertemperatur bei den Galapagos-Inseln (90° westl.L.) um 8°C tiefer liegt als bei der Insel Canton (170° westl.L.) auf etwa gleicher geographischer Breite: hier 28°C, dort nur 20°C.

Ein natürliches Indiz für den relativ kalten Meeresstrom ist die Abwesenheit von wärmeliebenden Korallen trotz tropischer Lage: Im Westen des Südpazifiks befindet sich die Korallensee mit dem Großen Barriereriff vor der australischen Ostküste, der geographischen Breite des Bereichs zwischen Nordchile und dem mittleren Peru im Osten des Ozeans. Korallen aber brauchen - neben bestimmten morphologischen Voraussetzungen - Wassertemperaturen von ständig mindestens 20°C. An der Westküste Südamerikas im Bereich des Humboldtstromes wird diese Temperatur meistens unterschritten - deswegen gibt es hier trotz tropischer Lage keinerlei Korallenvorkommen.

Auftriebsgebiete liefern ca. 90 % der weltweiten Fischanlandungen, bzw. 50 % des aus dem Meer stammenden Eiweisses, stellen aber nur ca. 1-3 % der Meeresoberfläche dar. Hierfür gibt es zwei Gründe. Der erste liegt in der Tatsache, dass Auftriebsgebiete Zonen mit hoher Primärproduktion sind. Die Produktion soll bis zu 10 g C m-2d-1 betragen. Für das peruanische Upwelling-System gelten etwa 0,6 g C m-2d-1 als typisch, wobei vor Kalifornien und NW-Afrika höhere Produktionsraten bestehen. Wegen seiner größeren Fläche ist aber das peruanische System das weltweit bedeutendste Fischereigebiet. Als zweiter Grund für den Fischreichtum in Auftriebsgebieten gilt deren Turbulenz und aufströmende Wasserbewegung. Diese Energie reicht aus, um großzellige, normalerweise rasch absinkende Diatomeen (>10 µm ø) und Dinoflagellaten schwebend in der euphotischen Zone zu halten. Und solch großzelliges Phytoplankton macht einen großen Anteil der Primärproduktion aus. Möglicherweise können die großen Phytoplanktonarten auch besser das große Nährstoffangebot verwerten, als ihre Konkurrenten.

Leben im Auftriebswasser

Das aufsteigende, kalte und nährstoffreiche Wasser in einem Auftriebssystem gelangt in die lichtdurchflutete Zone nur langsam (1–5 m/Tag), wodurch die einzelligen Algen häufig für mehrere Tage beste Wachstumsbedingungen vorfinden und große Biomassen produzieren. Das Auftriebswasser wird dann wie auf einer Walze weiter ozeanwärts transportiert, wodurch ein breiter Gürtel sehr hoher Primärproduktion entsteht. Typischerweise liegt die Temperatursprungschicht (wo die Temperatur sprunghaft zwischen warmem Oberflächen- und kälterem Tiefenwasser wechselt) in Auftriebsgebieten recht oberflächennah (<50 m), was dazu beiträgt, dass das Phytoplankton in diesem lichtdurchfluteten Oberflächenbereich vergleichsweise lange bleibt und sich vermehren kann.

Das Meer ist hier meist grünlich gefärbt, und die Sichttiefe beträgt nur wenige Meter. Die Gemeinschaft der Phytoplankter wird in der Regel von einzelligen Kieselalgen (Diatomeen) mit hohen Wachstumsraten dominiert. Sind es anfangs kleine Arten mit großem Wachstumspotenzial, verschiebt sich im Laufe der Stabilisierung des Auftriebsvorgangs die Planktonzusammensetzung zu größeren Arten. Die Skelette der Diatomeen bestehen aus amorphem oder opalartigem Quarz und einer geringen Menge Zellulose. Aus diesen abgesunkenen Schalen bestehen die Quarzsedimente, die über geologische Zeiträume hinweg den Meeresboden weiter Ozeangebiete überzogen haben.

An diese enorm hohe Primärproduktion hat sich eine Gemeinschaft von Phytoplanktonfressern angepasst, die für eine ebenfalls hohe Sekundärproduktion sorgt. Zu diesen gehören sowohl das Zooplankton, vor allem Ruderfußkrebse (Copepoden) und Larvenstadien vieler Wirbelloser und Fische, als auch die kleinen pelagischen Schwarmfische, die Sardinen und Sardellen. Während das Zooplankton überwiegend herbivor (pflanzenfressend) ist, ernähren sich die kleinen Schwarmfische meist aus einer Mischung von Phyto- und Zooplankton.

Die Nahrungskette im peruanischen Auftriebssystem

Der Nährstoffreichtum im peruanischen Auftriebssystem entstammt den bakteriellen Abbauprozessen der abgestorbenen und absinkenden Organismen. Die wichtigste "Vorratskammer" für diese Nährstoffe, abgesehen von den Flussmündungen mit starkem Oberflächenabfluss ist die Thermokline. Kleinorganismen, die nahe der Oberfläche abgestorben sind, zerfallen und werden remineralisiert. Gleiches geschieht mit den Fäkalien größerer Organismen. Auf diese Weise entsteht in der Thermokline ein Vorrat an Nährstoffen und remineralisiertem Kohlenstoff, der beim Auftrieb in die euphotische Zone dem Phytoplankton zur Verfügung steht. Auch horizontale Strömungen innerhalb der Thermokline vermögen Nährsalze und Kohlenstoff aus großen Entfernungen heranzutransportieren, bevor sie nach oben verfrachtet werden und in eng begrenzen Gebieten entlang des Äquators und von Küsten Primärproduktion erlauben.

Die dabei verfügbar werdenden Nährsalze gelangen wie in einem Lift mit dem Auftriebswasser an die Oberfläche, wo unter Mithilfe der reichlichen Sonneneinstrahlung massenhaft Plankton (70 % pflanzliches, 30 % tierisches Plankton) entsteht. Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass der Auftrieb tiefer als die Thermokline reicht.

Nahrungskette im Bereich des Humboldtstroms

Nahrungskette im Bereich des Humboldtstromes

Grafik: Daniela Hiller und Sandra Karch

Die Auftriebswässer treten nicht gleichmäßig innerhalb des Humboldtstromes auf, sondern sie erscheinen zumeist in Form von Wolken oder Wirbeln an der Oberfläche, das heißt in Schüben. Entsprechend ist auch das Plankton nicht gleichmäßig verteilt, sondern tritt in Ballungswolken verschiedener Größen auf, von einigen Metern bis zu einigen Kilometern Durchmesser. Folglich variiert auch die Verteilung der Fischschwärme der Anchovis.

Grundlage für die Ernährung aller Meerestiere ist letztendlich das pflanzliche Plankton (Phytoplankton). Vom Phytoplankton ernährt sich als zweite Stufe der Nahrungskette üblicherweise das tierische Plankton (Zooplankton), zu dem kleine Krebse, Flügelschnecken und Larven der Bodentiere sowie Fischlarven gehören. Als dritte Stufe folgen Fische, die vom Zooplankton leben.

Allerdings erlaubt es die Dominanz großer Planktonarten vor der peruanischen Küste den Fischen (z.B. Anchovis und Sardinen), sich direkt vom Phytoplankton zu ernähren unter Umgehung des sonst zwischengeschalteten Gliedes der Nahrungskette, des Zooplanktons. Die Verkürzung der Nahrungskette bedeutet letzlich eine bessere energetische Ausnutzung des an ihrem Anfang zur Verfügung stehenden Nährstoffangebotes.

So erklärt sich aus dem hohen Nährstoffangebot über die große Planktonmasse, die verkürzte Nahrungskette und das turbulente Auftriebswasser letztlich der Fischreichtum vor den Küsten Perus und Chiles.

Biologen gehen davon aus, dass von einer Stufe der Nahrungskette zur nächsthöheren rund zehn Prozent der Biomasse weitergegeben werden: Vereinfacht gesagt werden aus hundert Kilogramm Algen zehn Kilogramm Krill, die wiederum einem Kilogramm Sardellen entsprechen.

Es sind über 225 Fischarten im Humboldtstrom beschrieben, davon werden 74 fischereiwirtschaftlich genutzt; aber nur 10 Arten sind wirtschaftlich wichtig, darunter besonders Anchovis, Bonito, Makrele. Auch Wale, Haie, Thunfische, Aale, Flundern, Tintenfisch und Krabben werden genutzt.

Die riesigen Mengen kleiner planktonfressender Fische sind wiederum die Nahrungsgrundlage für eine große Vogelwelt, die auf dem Land für bedeutende Guanolager oder auf küstennahen Inseln für bedeutende Ablagerungen von Guano sorgen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Meeresgebieten sind es hier nicht vornehmlich größere Fische, sondern die Vögel, die den Großteil der natürlichen Fischproduktion abschöpfen. Über 20 Mio. Seevögel (im Wesentlichen Kormorane, Tölpel und Pelikane) sollen das peruanische Auftriebssystem vor Beginn der Hochseefischerei Anfang der 1950er Jahren bevölkert haben. Als Warmblüter mit hohem Energiebedarf entnahmen diese Vogelpopulationen dem System jährlich mehrere Millionen Tonnen Fisch. Mittlerweile hat allerdings der Mensch die Vögel längst in ihrer Rolle als wichtigster Fischräuber verdrängt.

Auch andere Fischräuber lassen sich den Reichtum an kleinen Schwarmfischen nicht entgehen. So finden wir in allen großen Küstenauftriebssystemen Makrelen, Pferdemakrelen und noch größere Fischräuber wie Bonitos und Seehechte. Aber auch Seehunde, Seelöwen und Wale spielen eine bedeutende Rolle. Episodisch treten auch Riesenkalmare vor den Auftriebsküsten auf. Sie jagen in großen Gruppen den kleinen Schwarmfischen nach und sind selbst eine wichtige Beute der Pottwale.

Karte der Auftriebsgebiete und Meeresströmungen

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Quelle: Unterricht Biologie 180/92

Gibt es auch am Meeresboden der Auftriebsgebiete eine so biomassereiche Fauna wie im freien Wasser? Tatsächlich ist die Bodentiergemeinschaft hier vergleichsweise arm und von geringer Biomasse, trotz des enorm starken Regens an organischem Material, der aus der euphotischen Zone auf den Meeresboden fällt. Der Grund dafür ist der Sauerstoffmangel des Wassers unterhalb der Sprungschicht, der durch den intensiven Sauerstoffverbrauch beim bakteriellen Abbau des absinkenden organischen Materials entsteht. Neben Bakterien und Archaeen sind es einige Würmer und Foraminiferen, die in diesen Sauerstoffmangelgebieten leben. Besonders auffällig sind in den schlammigen Sedimenten Matten riesiger gelblicher Thioplaca-Schwefelbakterien, deren einzelne Zellen selbst mit dem bloßen Auge leicht erkennbar sind. (Wolff 2017)

Die Entwicklung der Fischerei in Peru

Peru hat eine lange Tradition der Küstenfischerei, die vor einigen Jahrtausenden mit dem Einsatz von Ein-Mann-Booten aus Schilfrohr (Totora) mit einem Ausschnitt für Angelgeräte und die Fangbergung begann. Dieses handgefertigte Boot ist auch heute noch im Einsatz und der Fang wird am Strand an den Meistbietenden verkauft.

Caballitos de totora

 

 

Caballitos de totora in Guanchacho, Peru

Span. für „Schilf-Pferdchen“; der Name Caballito als Verkleinerungsform des span. Wortes für „Pferd“ (el caballo) geht wahrscheinlich zurück auf die einem Reiter ähnelnde Sitzhaltung des Fischers, bei der sich beide Beine im Wasser befinden, der Namenszusatz de Totora leitet sich von der zum Bau verwendeten Pflanze Totora-Schilf ab.

Der Bootstyp ist mit einer Länge von 4 bis 5 m , einer Breite von 0,6 bis 1 m sowie einer Nutzlast von etwa 200 bis 250 kg ausreichend für den Transport einer Person, der Fischereiausrüstung und des Fangs. Der Antrieb eines Caballito de Totora erfolgt durch Paddeln.

Der Bau und die Nutzung dieser Boote hat eine wahrscheinlich bis in die Moche-Kultur zurückreichende Tradition.

Quelle: NOAA

 

Aus diesen kleinen Anfängen ist die peruanische Fischerei zu einer der größten, nach angelandeten Fangmengen der Welt geworden. Die bei weitem wichtigste in Bezug auf Fang und Wert ist die industrielle Sardellenfischerei, die 2005 91 % der Anlandungen ausmachte und in landgestützten Zerlegungsbetrieben für den indirekten menschlichen Verzehr, d.h. als Zutat für Futtermittel für Tiere und Aquakultur, zu Fischmehl (und dessen Nebenprodukt Fischöl) verarbeitet wurde. Die handwerkliche Fischerei trug die restlichen 8,5 % zum Fang für den direkten menschlichen Verzehr bei, wobei die Hauptarten Riesenkalamare, zwei Arten der Bastardmakrele und Seehecht waren. Garnelen-Aquakultur, Jakobsmuschel-Marikultur und Binnenfischerei trugen 0,5 % bei.

Drei Ereignisse bildeten die Grundlage für die Entwicklung der modernen Fischereiwirtschaft in Peru. Das erste war die Übernahme der peruanischen Präsidentschaft durch das General Manual A. Odría Amoretti im Jahr 1948. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger José Bustamante y Rivero, der den Export von natürlichen Ressourcen unterbrach, versuchte Präsident Odría, die wirtschaftliche Entwicklung anzukurbeln, indem er den Export peruanischer Ressourcen als Mittel zum Erwerb von Devisen für den Kauf von Industrieprodukten förderte, die für die Entwicklung nationaler Industrien erforderlich waren. Die peruanische Regierung verfolgte diese Wirtschaftspolitik bis 1968, trotz sechs zwischenzeitlicher Änderungen in der Präsidentschaft. Die zweite wichtige Entwicklung war der Zusammenbruch der kalifornischen Sardinenindustrie im Jahr 1950. Das Ergebnis dieses Zusammenbruchs war, dass sowohl Fischerboote als auch Geräte zur Umstellung von Fisch zu Fischmehl von Unternehmern in Peru zu günstigen Preisen erworben werden konnten. Schließlich führte die rasante Expansion der Geflügel- und Schweineindustrie in den Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer dringenden Nachfrage nach einer Quelle für kostengünstiges Protein als Bestandteil von Tierfutter.

Fangzahlen des peruanischen Anchovis

Fangzahlen des peruanischen Anchovis

Grafik: Nicolas Marschall

Das Auf und Ab der Fangmengen

1970 erreichten die Fänge der peruanischen Sardellen (Engraulis ringens) ein Rekordniveau von mehr als 12 Millionen Tonnen oder ein Viertel der weltweiten marinen Fangmengen (in Tonnage, aber nicht im Wert, da diese Anlandungen nach der Umwandlung in Fischmehl für die Tierernährung bestimmt waren). Zwischen 1962 und 1971 lag das durchschnittliche Fangvolumen bei 9 Millionen Tonnen. Im Jahr 1972 sank sie auf 4 Millionen Tonnen und 1973 auf nur noch 1,5 Millionen Tonnen, also sechsmal weniger als zwei Jahre zuvor. Warum dieser Rückgang? Ein Schuldiger war in der Hand: El Niño, der genau in den Jahren 1972-73 stark spürbar wurde und sich sofort den Ruf eines Sardellenkillers erwarb.

Und nicht ohne Grund, da an der peruanischen Küste El Niño sich als Überdeckelung des Auftriebs und als Invasion der Küsten durch tropisches Wasser ausdrückte, das warm und arm an Nährstoffen war. Dadurch wurde die Sardellen von ihrer Nahrungsquelle abgeschnitten, was sie zwang, sich an anderer Stelle nach günstigeren Bedingungen umzusehen, entweder weiter südlich oder in größerer Tiefe; so oder so entkamen sie den Fanggeräten. In den Folgejahren erholte sich der Bestand nicht: Erst Zwanzig Jahre später überstiegen die Fangmengen 4 Millionen Tonnen und bestätigten damit scheinbar die Behauptung, El Niño habe den Bestand dauerhaft vernichtet. Dennoch hätten bestimmte Fragen sofort gestellt werden müssen.

Das El Niño-Phänomen wurde 1972 nicht geboren, und die früheren Ereignisse (1965, 1969) hatten fast keine Auswirkungen auf die Fänge, denn sie fielen zwischen 1964 und 1971 nie unter 7 Millionen Tonnen. Hätten nicht die gleichen Ursachen die gleichen Auswirkungen gehabt? Man hätte auch annehmen können, dass der Rekordfang von 1970 (12 Millionen Tonnen) ein verantwortlich für die Dezimierung des Bestands war. Nein, es war bequemer für die Fischer, wie auch für die Wissenschaftler, sich an die Idee des El Niño-Sündenbocks zu halten. Auf diese Weise konnten die Fischer die Frage nach möglicher Überfischung und ihre mögliche Schuld dafür ablehnen. Die Wissenschaftler ihrerseits hatten ein vorgefertigtes Forschungsthema, das umso besser verkäuflich war, als die wirtschaftlichen Folgen finanziell spürbar waren. Aber natürliche Systeme arbeiten nicht im binären Schwarz-Weiß-Modus: Ereignisse sind selten auf eine einzige Ursache zurückzuführen.

Ab 1993 erreichten die Fänge wieder das Niveau von vor 1972, und der El Niño von 1997-98 erscheint trotz seines Rufs als El Niño des Jahrhunderts nur als kleiner "Blip" in der Fangkurve. Ebenso wenig können wir overfishing allein beschuldigen. Die Sardelle vermehrt sich sehr schnell, erreicht ihre Reife in wenigen Monaten und hat eine hohe Reproduktionsrate, was bedeutet, dass der Bestand normalerweise nach einem El Niño sehr schnell wieder aufgebaut wird. So betrugen die Fänge 1998, entsprechend dem El Niño 1997-98, nur 1,2 Millionen Tonnen und stiegen ab dem folgenden Jahr auf fast 7 Millionen Tonnen. Dies geschah nicht nach 1973. Warum? In peruanischen Gewässern ist die Sardellenart, auch wenn sie normalerweise vorherrschend ist, nicht allein. Es gibt noch andere pelagische Arten, insbesondere die Sardine. Je weniger wir die Sardellen fischen, desto mehr fischen wir die Sardine und umgekehrt, als ob die Sardine zwischen 1975 und 1992 den Platz der Sardellen eingenommen hätte. Die Sardine scheint unempfindlich gegenüber dem El-Niño-Phänomen zu sein, denn 1984, nach dem El Niño von 1982-83, als die Sardellenfänge am niedrigsten waren, verdoppelte sich die der Sardine und erreichte 5 Millionen Tonnen. Sie waren völlig unbeeindruckt von der Störung. Was ist also passiert, dass die Sardellen in den zwanzig Jahren nach dem Ereignis von 1972-73 ihren Platz an die Sardine abgetreten haben?

Die Untersuchung der Sardinenfangmengen im Pazifik seit 1920 zeigt, dass es in weit auseinanderliegenden Gebieten wie Peru, Kalifornien und Japan eine bemerkenswerte Synchronität in der Entwicklung der Fänge gibt: Sie nehmen gleichzeitig zu und ab.

Auch scheint es, dass der Wechsel im unterschiedlich starken Auftreten zwischen der Sardine und der Sardellen nicht auf Peru beschränkt ist, sondern auch in den beiden anderen Systemen unterschiedlich ausgeprägt ist. Es wäre erstaunlich, wenn diese bemerkenswerte Synchronität und der Wechsel von Sardine/Sardellen auf beiden Seiten des Pazifiks, Nord und Süd, ein einfacher Zufall wäre. Die Erklärung kann nur aus einer zyklischen Variation der Meeresumwelt auf der Skala des gesamten Pazifiks stammen. Aus der Analyse von Fluktuationen beim Alaska-Lachs, und nicht von denen der Sardinen und der Sardellen, sollte eine mögliche Erklärung kommen.

Fänge nach Arten in peruanischen Gewässern

 

 

Fänge nach Arten in den Gewässern vor Peru

The data ('reconstructed data') combine official reported data and reconstructed estimates of unreported data (including major discards), with reference to individual EEZs. Official reported data are mainly extracted from the Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) FishStat database. The "Reported catch" line overlaid on the catch graph represent all catches deemed reported (including foreign) and allocated to this spatial entity. For background information on the reconstruction data, download the .pdf file for the specific EEZ(s) and also examine our methods for data and spatial allocation.

Quelle: Sea Around Us

 

Um die Auswirkungen von Schwankungen des physikalischen Mediums auf die biologische Produktion im Meer zu beurteilen, analysieren Wissenschaftler zunächst immer die Temperatur der Meeresoberfläche. Es ist ein leicht zugänglicher Parameter, und die Forscher haben Messungen davon für den gesamten Ozean über relativ lange Zeiträume. Bei der Suche nach den Ursachen für die Schwankungen in der Lachsfischerei seit 1920 und der Frage, ob sie einer wiederkehrenden Schwingung entsprechen, haben wir also das entdeckt, was heute als "Pazifische Dekaden-Oszillation" (engl. Pacific decadal oscillation, PDO) bezeichnet wird. Wann immer wir auf der einen Seite des Pazifischen Ozeans warme Anomalien beobachten, haben wir gleichzeitig auf der anderen Seite kalte Anomalien. Forscher nennen nun die Situation, die den warmen Anomalien auf der Ostseite und den kalten im zentralen Nordpazifik entspricht, die warme Phase; und die umgekehrte Situation, die kalte Phase. Die warme Phase ist günstig für den Alaska-Lachs und die Sardine vor Kalifornien, Peru und Japan; die kühle Phase begünstigt die Sardellen, aber den Alaska-Lachs überhaupt nicht oder, um genau zu sein, diejenigen, die ihn fangen. (Voituriez 2003)

Konkurrenz mit der Guano-Branche

Mit einer Ausnahme waren die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen für die Entwicklung der peruanischen Sardellenfischerei daher nahezu ideal. Die Ausnahme war die Existenz der peruanischen Guanoindustrie. Die Guanoindustrie wurde von der traditionellen Elite in Peru dominiert, und die Guano-Administration erkannte zu Recht, dass die Entwicklung einer großen Sardellenfischerei die Nahrungsversorgung und Population der Guano-Vögel sowie die Produktion von Guano verringern würde. Vor 1950 hatte die Guano-Administration die Population der Guano-Vögel künstlich hoch gehalten, um die Guano-Produktion zu steigern. Wegen des Widerstandes der Guanoindustrie wurde 1950 nach dem Zusammenbruch der kalifornischen Sardinenfischerei die erste Sardellenfischmehlfabrik Perus im Geheimen errichtet.

1954 gewannen die Fischereiunternehmen jedoch einen wichtigen Sieg, als die Regierung gegen den Widerstand der Guano-Administration die ersten Schritte zur Entwicklung der Fischereibranche genehmigte. 1956 veranlasste der Druck der Guanoindustrie die Regierung, den weiteren Bau von Fischmehlanlagen einzustellen, bis eine Bewertung der Auswirkungen der Fischerei auf den Vogelbestand vorgenommen werden konnte. Dieses Moratorium wurde 1959 aufgehoben, und von diesem Zeitpunkt an bis 1973 expandierte die Fischmehlindustrie im Wesentlichen ohne staatliche Eingriffe. Zweifellos war ein wichtiger Aspekt bei der Festlegung der Regierungspolitik die Erkenntnis, dass eine Sardelle bei der Umwandlung in Fischmehl etwa fünfmal so viel wert war wie bei der Verzehr durch Vögel und letztlich bei der Umwandlung in Guano.

Technologische Entwicklungen

Die frühesten Sardellenfangboote waren Holzschiffe mit Ladekapazitäten von 40-100 Tonnen. In den 1960er Jahren wurden diese Schiffe fast vollständig durch viel größere Schiffe aus Stahl mit Laderäumen von über 300 Tonnen ersetzt. Diese größeren Schiffe waren mit einer Reihe von technologischen Innovationen ausgestattet, die die Betriebskosten und den Personalbedarf deutlich reduzierten. Zu den wichtigsten Verbesserungen gehörten Energieblöcke zum Einholen der Ringwaden, Echolote zum Auffinden von Fischschwärmen, Vakuumpumpen zum Transfer von Sardellen aus der Ringwade in den Laderaum und Nylon- statt Baumwollnetze. Ein 350 Tonnen schweres Fischereifahrzeug hatte typischerweise eine Besatzung von 12-14 Personen, während es bei einem 100 Tonnen schweren Schiff eine Besatzung von 10 Personen gab. Das verbesserte Verhältnis von Besatzung zu Tonnen Laderaumkapazität verbesserte die Rentabilität der Unternehmen, die mit den größeren Schiffen arbeiten, erheblich.

Fischmehl statt Guano

"Until the early 1950s, no commercial Peruvian anchoveta fishery developed because the Guano Administration and Peruvian farmers blocked all attempts to develop such an industry. Their political power diminished, however, in the face of changing factors in Peru and North America. The Peruvian government was overthrown in the late 1940s and the new President favored a policy of economic development based on the export of Peru's natural resources. Also at that time, the California Pacific sardine fishery collapsed and entrepreneurs identified Peru as a place to unload idle fishing fleets and processing plants.
In the post-war period, there was an increasing demand for meat products in North America, increasing the demand for anchoveta fishmeal, a feed supplement for poultry, hogs, and cattle. In addition, such technological innovations as the nylon net spurred a meteoric rise in fish landings by the Peruvian anchoveta fishery; landings doubled each year until 1960."

Aus: Glantz, Michael H. (1984): Floods, Fires, and Famine: Is El Niño to Blame. In: Oceanus, Vol. 27, No. 2

Die wichtigsten Exportmärkte für Fischmehl und -öl waren China (51 %), Deutschland (11 %), Japan (9 %), weitere asiatische Märkte (9 %) und andere Märkte einschließlich der EU (20 %). Der halbverarbeitete Riesenkalmar wird in die asiatischen Märkte exportiert, wobei China 2005 80 % ausmachte, wo Einfuhrzölle von 12 % auf CIF-Werte auf frische und gefrorene Kalmare und 5 % auf eingemachte Kalmare erhoben wurden. Andere gefrorene Fischprodukte wie Seehecht, Stöcker, Garnelen und Jakobsmuscheln werden hauptsächlich in die USA und die EU exportiert, wo sie von Einfuhrzöllen befreit sind.

Perus aktuelle Fischerei

Die peruanische Fischereiflotte für Sardellen ist in drei Bereiche unterteilt: industrielle, kleinindustrielle (low-scale) und handwerkliche Fischerei. Die Industrieflotte ist bei weitem die größte, und ihre Fänge machen 99% der peruanischen Fischereitätigkeit aus. Die industrielle Fischerei ist im Rahmen eines Systems individueller Schiffsquoten (Individual Vessel Quota, IVQ) streng reguliert, und der Sektor ist international für sein erfolgreiches Management der Meeresressourcen anerkannt. Die gesamte Industriequote wird von IMARPE, Perus spezialisierter Meeresressourcenagentur, festgelegt, die die besten verfügbaren wissenschaftlichen Daten verwendet, um die zulässige Gesamtfangmenge (total allowable catch, TAC) pro Fangperiode zu schätzen. Einhundert Prozent des Fangs der Industrieflotte wird zu Fischmehl verarbeitet, das größtenteils für den Einsatz in der weltweit wachsenden Aquakultur- und Viehwirtschaft exportiert wird. Die Exportmärkte für Fischmehl, die hauptsächlich in China und anderen asiatischen Ländern bestehen, sind lukrativ und werden voraussichtlich weiter an Wert gewinnen.

Sardellenfischer beim Entladen in einem Hafen bei Pisco (Peru)

 

 

Sardellenfischer beim Entladen in einem Hafen bei Pisco (Peru)

 

Quelle: HCLME Project

 

Im Gegensatz dazu werden sowohl die handwerklichen als auch die kleinindustriellen Flotten (zusammenfassend als Flotte für den direkten menschlichen Konsum - direct human consumption, DHC - bezeichnet) unter einem eingeschränkten Open-Access-System (OA) verwaltet und unterliegen keinen restriktiven Fangquoten.Daher stammt die gesamte Ernte aus diesen Flotten aus der "kritischen Biomasse", die die TAC der Industrieflotte begrenzt. Darüber hinaus sind die handwerklichen und kleinskaligen Flotten gesetzlich verpflichtet, ihren gesamten Fang an DHC-Verarbeitungsanlagen zu verkaufen. Die handwerkliche Flotte wird von Regionalregierungen verwaltet, bei denen festgestellt wurde, dass sie die Durchsetzung uneinheitlich durchführen und somit unterschiedliche Raten illegaler Fangtätigkeiten zulassen. Die Low-Scale-Flotte wird von der nationalen Regierung verwaltet; sie verfügt zwar über mehr Kapazitäten zur Durchsetzung der Low-Scale-Flotte als ihre regionalen Pendants, ist jedoch unsicher in Bezug auf die Anzahl der aktiven Low-Scale-Schiffe und deren Fangmengen, was ihre Fähigkeit zur wirksamen Überwachung und Durchsetzung der Fischereitätigkeiten erschwert.

Einer der einflussreichsten Treiber für illegale Aktivitäten innerhalb der DHC-Flotte ist der lukrative Fischmehl-Schwarzmarkt. Das Mandat, dass die Flotte Fänge an DHC-Verarbeitungsanlagen weiterleiten muss, wurde geschaffen, um die inländische Unterernährungsrate zu senken und die Beschäftigung in den Küstenregionen zu erhöhen. Die hohen Fischmehlpreise auf den internationalen Märkten in Verbindung mit der schwachen Durchsetzung veranlassen die Fischer jedoch, den größten Teil ihres Fangs illegal an Fischmehlbetriebe zu verkaufen und Anlandungen falsch zu melden.

Das Fehlen einer Fangbegrenzung (TAC) für die DHC-Flotte in Verbindung mit zügellosen illegalen Aktivitäten schafft einen unkontrollierten Fischereidruck, der die Nachhaltigkeit des Sardellenbestands gefährdet. Obwohl Industrieschiffe den größten Teil der Sardellenanlandung ausmachen, zeigt eine Analyse, dass die Fangtätigkeit der DHC-Flotte potenziell signifikant ist, was die Fangmenge und die biologischen Auswirkungen auf den Sardellenbestand betrifft.

Sardellen, die kleiner als 12 cm sind, gelten als Jungfische, und die Fänge dieser Fische sind auf 10% der Anlandungen aller Flotten begrenzt. Um den Fang von Jungfischen zu verhindern, müssen die Fischer Netze mit einer Mindestmaschengröße von 13 mm verwenden, und ein großer Teil der Industrieanlandungen wird überwacht, um sicherzustellen, dass die maximale Fangmenge von 10% nicht überschritten wird. Sardellen leben etwa 3-4 Jahre, werden aber in der Regel direkt nach der Geschlechtsreife im Alter von 1-2 Jahren und mit einer Länge von 11-12 cm gefangen. Dies hat Auswirkungen auf das zukünftige Fortpflanzungspotential des nord-zentralen Bestands. Da ein Großteil der Population erfasst wird, bevor sie die Geschlechtsreife erreicht, nimmt die Gesamtgröße der Population mit der Zeit ab. Die Hauptlaichgebiete befinden sich zwischen Chicama und Chimbote sowie Callao und Pisco. Der größte Laichbestand wird von Dezember bis April beobachtet, was mit einer für die Industrieflotte geltenden Schonzeit zusammenfällt, nicht aber für die klein- oder handwerklichen Flotten.

Industrieflotte

Die industrielle Fischereiflotte entstand Anfang der 1950er Jahre mit der Einführung der Fischmehlerzeugung auf Sardellenbasis. Vor dem Aufstieg der Fischmehlindustrie dominierten die handwerkliche und kleinskalige Küstenfischerei den Fang. Erst Mitte der 1960er Jahre erlebte die Branche eine rasante Entwicklung, eine Zeit, die als "Sardellenboom" bekannt war. Peruanisches Fischmehl leistet einen wichtigen Beitrag zu den asiatischen Aquakulturaktivitäten und verbindet das Wachstum der Aquakulturindustrie direkt mit den marinen Ressourcen Perus.
Der industrielle Sardellensektor besteht aus zwei Flotten: der Industrie- oder Stahlflotte (434 Schiffe) und der Holzflotte (662 Schiffe; Abbildung 2). Während die Zahl der Schiffe geringer ist, ist die Stahlflotte in Bezug auf das Fassungsvermögen größer.

Industrielles Ringwadenboot

 

 

Industrielles Ringwadenboot zum Sardellenfang

Der Heimathafen ILO liegt im Süden von Peru.

Quelle: Mongabay

 

Über lange Jahre hinweg wurden Regeln zur Begrenzung der Fangmengen umgangen. Illegale Fischerei umfasst die "Schwarzfischerei" (Fischen ohne Genehmigung), das Zurückwerfen von Jungfischen und Beifang, die Falschmeldung von Anlandungen durch den Einsatz von geheimen Pumprohren und modifizierten Fischwaagen, die das Fanggewicht bewusst zu gering bewerten, sowie den illegalen Handel zwischen Fischern und der Fischmehlindustrie. Erst 2009 wurde ein innovatives Managementsystems eingeführt.

Seit Anfang des Jahres 2013 darf die peruanische Fischereiindustrie nur noch außerhalb der 10-Meilen-Zone nach der peruanischen Sardelle (Engraulis ringens) fischen, der Bereich innerhalb dieser Zone ist Kleinfischern vorbehalten, die für den menschlichen Verzehr , nicht aber für die Herstellung von Fischmehl oder -öl fangen, die für den menschlichen Verzehr, nicht aber für die Herstellung von Fischmehl oder -öl fangen.

Per Dekret hatte das Produktionsministerium verfügt, dass innerhalb der 5-Meilen-Zone nur Kleinfischerei für den menschlichen Konsum möglich ist. Zwischen 5 und 10 Seemeilen wiederum nur die Fischerei mit kleinen Kuttern, ebenfalls für die Nahrungsmittelproduktion – und ab 10 Seemeilen auch der industrielle Fischfang. Die Fischerei-Lobby befürchtete durch die Neuregelung eine Zunahme illegalen Fischens.

Fischerei für den direkten menschlichen Verzehr (Direct Human Consumption, DHC)

Sardellenprodukte für den direkten menschlichen Verzehr (Direct Human Consumption, DHC) können nur von hochwertigem Fisch verarbeitet werden, der bestimmte gesundheitliche und hygienische Anforderungen erfüllt. Die Hauptprodukte der DHC-Sardellen sind gefroren und in Dosen verpackt, und es gibt eine kleine Industrie für geräucherten Fisch.
Sardellen sind eine kleine und fette Art und verschlechtern sich oft durch mechanischen Druck während der Verarbeitung. Anchoveta, die für DHC bestimmt sind, können den intensiven mechanischen Druck, der bei der Verarbeitung anderer Arten wie Makrelen verwendet wird, nicht aushalten. Aus diesem Grund erfordern Sardellen eine manuellen Verarbeitung und eine sorgfältige Behandlung während der Fang- und Konservierungsphase. Studien haben gezeigt, dass kleine und mittlere Schiffe am besten für die Ernte von Fischen geeignet sind, die für DHC bestimmt sind, was höchstwahrscheinlich auf die weniger mechanisierten Fanggeräte zurückzuführen ist, die von diesen Schiffen verwendet werden. Um eine gute Qualität des Fisches für DHC zu gewährleisten, müssen folgende Anforderungen erfüllt sein: Minimierung der Zeit zwischen dem Fang und der Verarbeitung, Einsatz von Schiffen, die speziell mit Konservierungssystemen für kleine pelagische Arten ausgestattet sind, Aufrechterhaltung der Kühllagerung in der gesamten Lieferkette des Fisches, Einsatz geeigneter Landungssysteme, um die Qualität und physische Integrität des Fangs nicht zu beeinträchtigen, und Vermeidung von bakterieller Kontamination durch Hygienemaßnahmen

Im August 2012 ersetzte eine neue Bewirtschaftungsregelung die bisherigen Rechtsvorschriften für die Sardellenfischerei für direkten menschlichen Verzehr, mit dem Hauptziel, die handwerklichen und kleinindustriellen Flotten (low-scale fleets) neu zu organisieren und den Fischereiaufwand zu kontrollieren.
Boote gelten als Low-Scale (LS), wenn sie eine Kapazität zwischen 10 und 32,5 m³ haben und nicht mehr als 15 m lang sind.
Diese Flotte darf zwischen den ersten 5 und 10 sm fischen und muss 100% ihres Fangs an DHC-Verarbeitungsanlagen verkaufen (10% als Rückwürfe sind zulässig). Die Low-Scale-Flotte soll von der Zentralregierung verwaltet und kontrolliert werden und muss nun ein Satellitenüberwachungssystem (SISESAT) mitführen und für zusätzliche Fanglizenzen bezahlen. DHC-Fabriken können bis zu 40 % des Rohmaterials, das von kleinen Schiffen geliefert wurde, an Fischmehlfabriken weiterleiten, wobei man berücksichtigen muss, dass nicht alle Fische die für DHC-Produkte erforderliche Größe und Qualität aufweisen.
Um als handwerklich zu gelten, muss ein Boot eine Rumpfkapazität von weniger als oder gleich 10 m³ haben. Diese Fischer erhalten Zugang zu den ersten 5 sm, und 100% des Fangs von handwerklichen Booten, die an die DHC-Fabriken geliefert werden, müssen zu DHC-Produkten verarbeitet werden. Das neue Gesetz enthält eine vage Beschreibung der Überwachung und Durchsetzung dieser Flotte und besagt, dass der handwerkliche Sektor von den Regionalregierungen und nicht von der Zentralregierung verwaltet wird.

Verwendung der Fangerträge

Bis etwa 2005 wurde die Peruanische Sardelle fast ausschließlich zur Herstellung von Fischmehl verwendet. Peru produziert einige der hochwertigsten Fischmehle der Welt. Seit 2005 werden Sardellen zunehmend für den direkten menschlichen Verzehr verwendet, als Frischfisch, als Fischkonserve oder als gesalzenes, gereiftes Filet in Öl eingelegt. Peruanische Sardellenkonserven werden als peruanische Sardinenkonserven verkauft. Die neue Verwendung wird manchmal als zweiter Sardellenboom bezeichnet, wobei der erste Boom die Entdeckung der Sardelle als Rohstoff für die anschließende Produktion von Fischmehl in den 1960er/70er Jahren war. Der zweite Boom wurde vom peruanischen Fish Technology Institute CIP mit Unterstützung der FAO ausgelöst. Eine groß angelegte Werbekampagne, mit Unterstützung des damaligen peruanischen Präsidenten Alan García, trug dazu bei, die Sardellen sowohl den Reichen als auch den Armen bekannt zu machen. Früher galten sie nicht als Lebensmittel und waren in der Bevölkerung kaum bekannt. Sie sind heute in Supermärkten zu finden und werden in Restaurants serviert.

Die peruanische Fischindustrie verfügt heute über eine geschätzte jährliche Verarbeitungskapazität von fast 25 Millionen Tonnen Rohfisch. Davon machen Fischmehlanlagen mehr als 95% der gesamten Verarbeitungskapazität aus, und Konservenfabriken machen fast 5% aus. Fabriken, die geräucherte Sardellenprodukte herstellen, machen einen kleinen Teil der Gesamtproduktion aus.

Fischmehlverarbeitungsanlagen sind entlang der gesamten Küste verteilt, von Piura im Norden bis Ilo im Süden. Die Produktion von Fischmehl kann in zwei Bereiche unterteilt werden: Fischmehlanlagen und Abfallverwertungsanlagen. Die industriellen Fischmehlanlagen verfügen über mehr als 97% der gesamten Verarbeitungskapazität und verwenden Vollfisch als Produktionsmittel.

Aus hygienischen Gründen müssen alle neuen DHC-Anlagen über eine angrenzende, kleinere Produktionsstätte (Anlage zur Verwertung von Rest- oder Abfallteilen) verfügen, um "restliche" Fische in Fischmehl umzuwandeln. Restfische sind Teile des gelieferten Rohmaterials, die nicht den hygienischen Standards entsprechen (d.h. die Fische sind zu klein für die Verarbeitung, verfault usw.) und nicht für die Herstellung von DHC-Produkten verwendet werden können. Aus diesen Restfischen wird minderwertiges Fischmehl, genannt "Traditionell" (höhere Qualitäten sind "Prime" und "Super-Prime") hergestellt. Fabriken dürfen bis zu 40% der von LS-Flotten erhaltenen Fische zu diesen Anlagen leiten.

Es gibt vier Haupttypen von DHC-Produkten: Konserven, Tiefkühlprodukte, gepökelte und getrocknete Produkte. Der Prozess für Konservenprodukte beginnt mit der Reinigung des rohen Fisches mit einer Salzwasserlösung. Der Reinigungsprozess endet mit einer Kaltwasserspülung und der Fisch wird dann in Dosen (entweder ganz oder zerkleinert) gegeben und gekocht. Während des Garvorgangs werden verschiedene Flüssigkeiten zugegeben, um das gewünschte Produkt zu erhalten (z.B. Tomatensauce, Pflanzenöl, geräuchertes Olivenöl oder Salzwasser). Nachdem der Fisch ausreichend gekocht wurde, werden die Dosen unter Bildung eines Vakuums verschlossen und anschließend zur Sterilisation in einen Autoklaven gestellt.

Produktion von Sardellenkonserven

 

 

Produktion von Sardellenkonserven
in Peru

Drei Unternehmen machen 53% der gesamten peruanischen Produktion aus:

Inversiones Prisco, Compañía Americana de Conservas und Seafrost

Quelle: RPP

 

Gepökelte Produkte, auch Anchoas genannt, durchlaufen einen Pökelprozess. Um diese Produkte herzustellen, wird ein ähnlicher erster Reinigungsvorgang zur Vorbereitung der Fische durchgeführt. Sie werden dann in Salz gepökelt und anschließend in vakuumversiegelte Beutel oder Gläser verpackt. Diese Produkte sind besonders auf den internationalen Märkten beliebt und werden meist an europäische Distributoren verkauft.

Gefrorene und getrocknete Produkte sind weniger verbreitet als die beiden anderen und werden hauptsächlich für den heimischen Markt verarbeitet. Gefrorene Sardellenprodukte werden in der Regel mit einer Sardellenmasse hergestellt. Ein Beispiel für diese Art von Produkt sind die "Sardellen-Nuggets". Getrocknete Sardellen werden in Säcken gelagert und haben, ähnlich wie Konserven, eine relativ lange Haltbarkeit und benötigen keine Kühlkette für den Vertrieb, was sie ideal für den Transport in entlegene Regionen macht.

In den USA häufig vorkommende Sardellenfilets in Dosen sind stark salzig und sind oft von Haut und Knochen befreit. Oftmals werden sie als "Product of Marocco" bezeichnet. In Peru und anderen Ländern verkaufte Sardellen in Dosen sind den in den USA weit verbreiteten Sardinen in Dosen sehr ähnlich, daher auch der Name "peruanische Sardinen". In jüngster Zeit wurden in Peru neue Zubereitungsformen für die Sardellen entwickelt, so dass bereits neue Produkte wie Sardellenchicharrones, Sardellenfleisch, Jerky Sardellenfleisch, Sardellenpaste und Sardellensteaks auf dem internationalen Markt sind.

Fischmehlproduktion (Welt) in Mio. Tonnen

Fischmehlproduktion (Welt) in Mio. Tonnen

Die Angaben sind auch in tabellarischer Form verfügbar.

Grafik von Nicolas Marschall auf Basis von Daten der IFOMA

Aufgrund von El Niño sank die gesamte Fischmehlproduktion in den Haupterzeugerländern von 4,74 Mio t im Jahr 1996 auf 4,3 Mio t im Jahr 1997 und 1998 auf lediglich 3,0 Mio t. Inzwischen steht Fischmehl unter starkem Konkurrenzdruck durch Sojamehl.

Über das Wirkungsgefüge der Fischmehl-Produktion gibt es im Anhang eine erläuternde Grafik.
Siehe auch: The production of fishmeal and fish oil from Peruvian anchovy (IFFO 2009), Peruvian Anchovy - Why feed, not food? (IFFO 2017)

Preise für Fischmehl und Sojabohnen
in Deutschland und den Niederlanden

images/fishmeal_soybean_prices

Quelle: FAO - The State of World Fisheries and Aquaculture 2014

 

 

Ungeachtet der jährlichen Schwankungen aufgrund der Sardellenfänge ist die Produktion von Fischmehl aus ganzen Fischen seit 2005 allmählich zurückgegangen. Dieser Rückgang wurde nur teilweise durch einen wachsenden Anteil der Fischmehlproduktion aus Nebenprodukten der Fischerei ausgeglichen.

Im Gegensatz dazu stieg die Gesamtnachfrage weiter an und trieb die Preise bis Januar 2013 auf historische Höchststände, mit einem Anstieg von 206 Prozent zwischen Januar 2005 und Januar 2013 auf 1919 US$/Tonne. Zwischen Januar 2013 und Januar 2014 sanken die Preise um 20 Prozent. Da die Preise für Sojamehl im gleichen Zeitraum relativ stabil blieben, bot das wachsende Preisgefälle den Landwirten Anreize, Fischmehl durch preiswerteres Futter zu ersetzen. China bleibt der Hauptmarkt und importiert mengenmäßig mehr als 30 Prozent Fischmehl, während Peru und Chile die wichtigsten Exporteure sind.

 

Beachten Sie auch bitte die Abbildungen zu Fischereimethoden im Anhang.

El Niño – Knecht Ruprecht oder Nikolaus?

Schon im 19. Jahrhundert hatten peruanische Fischer beobachtet, dass alljährlich zur Weihnachtszeit die Temperatur des Meeres anstieg, was das Ende der Fischereisaison markierte. In einigen Jahren waren die Temperaturen allerdings besonders hoch, und die Fische kehrten auch nach dem Sommer nicht zurück. Diese besonders starken Erwärmungen, die über ein Jahr andauern können, werden heute als El Niño („das Christkind“) bezeichnet und als ENSO (El Niño Southern Oscillation) Phänomen diskutiert. Ähnliche temporäre Erwärmungen sind auch im Benguelaauftrieb beobachtet worden (Benguela-Niño).

Sehr empfindlich reagieren die pelagischen Schwarmfische, insbesondere die Sardellen, auf das warme Oberflächenwasser, wo keine ausreichende Nahrung mehr zu finden ist. Sie sterben, oder sie wandern in tiefere Wasserschichten ab oder konzentrieren sich küstennah in den noch verbleibenden Kaltwasserzellen.

Übrigens - Für die Frage im Titel gibt es auch Versionen in anderen Sprachen: El Niño – ¿ángel o demonio? / El Niño – ange ou démon? / El Niño – bonanza or catastrophe?

Die Auswirkungen von El Niño

Am 8. August 1997 fing der 58-jährige peruanische Fischer Narciso Gomez im Meer unweit vor Lima zwei sehr große Hammerhaie. Der Fang ließ Bauern, Fischer und Meteorologen um die nahe Zukunft fürchten. Denn normalerweise verirren sich diese Räuber nicht in den kalten Humboldtstrom.

Ende Juni wurde diese bösen Anzeichen auch von der Forschung bestätigt. Um mehr als fünf Grad habe sich am Äquator der Ostpazifik erwärmt, warnte die alarmierte US-Wetterbehörde NOAA.
Diese Erwärmung nennen die Peruaner – entsprechend der Jahreszeit, in der sie auftritt – recht liebreizend "El Niño" – der "Knabe", gemeint ist das Christkind. Denn das plötzlich wärmere Wasser hat zunächst die durchaus positive Auswirkung, daß die "dicken Fische" auf den weihnachtlichen Festtisch kommen, zu denen der Hammerhai, aber auch z. B. Thunfische gehören. Dieser lokale El Niño ist weitgehend folgenlos für Umwelt und Mensch.

Eine Ursache für die großen Schwankungen des Sardellenfangs ist El Niño, ein Eindringen von warmem, nährstoffarmem Wasser aus der Nähe des Äquators nach Süden entlang der Küste Perus. Das Wasser wird durch den peruanischen Gegenstrom transportiert und kann sich im Extremfall bis zu einer Breite von 12 Grad S erstrecken. Das eindringende Wasser ist weniger dicht als der peruanische Küstenstrom, sowohl weil es wärmer ist (manchmal um bis zu 10 Grad C) als auch weil es weniger salzig ist (enthält eine geringere Konzentration an gelösten Salzen). Dieses leichtere Wasser überlagert das Küstenwasser in einer nährstoffarmen Schicht von bis zu 30 Metern Tiefe. Während El Niño hat die Küste von El Niño Das Windsystem lässt manchmal nach, und der Auftrieb kann aufhören. Alternativ können das Küstenwindsystem und der Auftrieb wie gewohnt fortgesetzt werden, aber da die nährstoffarme Deckschicht so viel tiefer als üblich ist, kommt das aufgewirbelte Wasser von oben über die Nutrikante und ist daher nährstoffarm. Aus biologischer Sicht ist der Auftrieb wirkungslos geworden.

Da das einströmende warme Wasser recht sauerstoffgesättigt ist, kommt dies der Bodenfauna zugute, und einige für die Fischerei wichtige Arten wirbelloser Tiere können sich unter diesen Bedingungen prächtig entwickeln. Dies ist besonders bei Extremereignissen der Fall, die unregelmäßigen Abständen – heute spricht man von zwei bis sieben Jahren mit der Tendenz zu immer schnellerem Aufeinanderfolgen - auftreten. So explodierten während der beiden stärksten El Niño-Ereignisse im letzten Jahrhundert in den Jahren 1983/84 und 1997/98 die Populationen von Pilgermuscheln und Kraken.

Andererseits: Bei diesen besonders ausgeprägten El Niño-Ereignissen kommt es zu gravierenden Störungen des dargestellten ökologischen Zusammenspiels von Nährstoff- und Sauerstoffreichtum im Kaltwasserstrom und der Nahrungskette Plankton – Fisch – Meeresvögel sowie den darauf aufbauenden wirtschaftlichen Aktivitäten Fischerei und Guanoabbau führt. Beispielsweise starben während des El Niños von 1982/83 ca. 85% der peruanischen Seevogelpopulation. Diese Folgen konnten erst nach Jahren wieder kompensiert werden.

Durch El Niño wird in solchen Extremjahren dem Plankton und damit allen weiteren Gliedern der Nahrungskette die Nahrungsgrundlage entzogen.

Was genau geschieht?

Während eines El Niño drücken dynamische Vorgänge im Ozean die Thermokline im östlichen und zentralen äquatorialen Pazifik und entlang der Küste von Nord- und Südamerika nach unten. Die Passate als Motor des Kaltwasseraufstiegs werden schwächer oder bleiben aus. Kehrt sich nun die Meeresströmung im Zuge von El Niño um, wird warmes und nährstoffarmes Wasser aus der Äquatorialregion an die Küste Südamerikas gedrückt.

Das Wasser wird durch den peruanischen Gegenstrom transportiert und kann sich im Extremfall bis zu einer Breite von 12 Grad S erstrecken. Das eindringende Wasser ist weniger dicht als der peruanische Küstenstrom, sowohl weil es wärmer ist (manchmal um bis zu 10 °C) als auch weil es eine geringere Konzentration an gelösten Salzen besitzt. Dieses leichtere Wasser überlagert das Küstenwasser in einer nährstoffarmen Schicht von bis zu 30 Metern Tiefe. Das küstennahe Windsystem lässt manchmal nach, und der Auftrieb kann aufhören. Alternativ können das Küstenwindsystem und der Auftrieb wie gewohnt fortgesetzt werden, aber da die nährstoffarme Deckschicht so viel tiefer als üblich ist, kommt das aufgewirbelte Wasser von oben über die Nutrikline und ist daher nährstoffarm. Aus biologischer Sicht ist der Auftrieb wirkungslos geworden.

Die tiefer liegende Thermokline mit ihrer hohen Nährstoffdichte wird von den ohnehin abgeschwächten oder ausbleibenden Auftriebsvorgängen nicht mehr erfasst. An die Oberfläche gelangt nur noch warmes, nährstoffarmes Wasser, somit bricht der Nährstoffnachschub für die euphotische Zone ab. Die Primärproduktion wird geringer mit Folgen für die gesamte Nahrungskette, beginnend mit dem Zooplankton. Fische, Seevögel und Meeressäuger sterben oder wandern in die nährstoffreicheren Gebiete ab. Neuere Untersuchungen ergaben, dass der Mangel an gewohnten Fischarten in den warmen oberflächennahen Schichten weniger auf deren Absterben, als vielmehr auf ihr Ausweichen in tiefere und kühlere Wasserschichten zurückzuführen ist. Bei unterernährten Seevögeln und Meeressäugern kann es zu Fortpflanzungsstörungen kommen oder sie verlassen bei Nahrungsmittelknappheit ihren Nachwuchs.

Teilweise schaffen es die Anchovis, sich in verbliebenen Kaltwasserzellen zu konzentrieren, wodurch sie umso leichter von der Industriefischerei gefangen werden konnten. In der Folge des El Niño von 1983/84 brach die Anchovisfischerei vor Peru schließlich völlig zusammen. 1997/98 hatte man aus den Fehlern gelernt und den Fischereidruck während des El Niño drastisch verringert. So gingen zwar die Erträge von zuvor 12 Millionen Tonnen jährlich auf lediglich 2 Millionen zurück, aber schon im nächsten Jahr nahmen die Fangmengen wieder zu.

Temperaturabhängige Tiefe von Fischschwärmen

 

 

Wie die Wassertemperatur die Fischerei auf kleine pelagische Fische beeinflusst.

Normalerweise hält Upwelling die Oberflächengewässer des südöstlichen Pazifiks kalt, sodass es von kleinen pelagischen Arten wimmelt, die von Ringwadenfängern gefischt werden. In dieser Region kommt es zu Upwelling, wenn südöstliche Passatwinde normal oder besonders stark entlang der Küste wehen. Werden sie schwach, bleibt der Nachstrom von kaltem Tiefenwasser aus.

Der Effekt von Veränderungen der Wassertemperatur auf die Fischerei ist erheblich. Wenn die Wassertemperaturen steigen und der Nährstoffgehalt sinkt, verteilen sich Schwärme von kaltwasserliebenden kleinen pelagischen Arten und sinken in Tiefen von 150 bis 200 Metern, wo sie nicht zugänglich sind.

Quelle: NOAA

 

Möglicherweise begünstigen extrem starke El Niño-Ereignisse auch den beobachteten zyklischen Wechsel in der Dominanz von Sardellen und Sardinen. Dieses Phänomen, das nicht nur im peruanischen Auftriebssystem beobachtet wurde, wird klimatisch-ozeanografischen Veränderungen über größere Zeitskalen zugeschrieben. So wurde anhand der sich abwechselnden Schichten von Sardinen- und Sardellenschuppen in den anoxischen Sedimenten vor Santa Barbara (Kalifornien) nachgewiesen, dass sich beide Arten mit Perioden von ungefähr 60 Jahren über die vergangenen 1700 Jahre abwechselten.

Trotz der verheerenden Auswirkungen eines El Niño-Ereignisses auf die soziale und wirtschaftliche Lebensgrundlage Perus wird jedoch angenommen, dass diese Ereignisse für den produktiven Erfolg der Sardellen elementar sein können, da sie an die inhärente Variabilität des peruanischen Ökosystems angepasst sind. Die Fähigkeit der Sardellen, zu überleben, hängt von der Fähigkeit des Bestands ab, sich von diesen Ereignissen zu erholen. Diese Erholung hängt in hohem Maße von der Anpassung der Fischereivorschriften während und nach den El Niño-Ereignissen ab, wo niedrigere Quoten für die Bestandserholung unerlässlich sind. Die Ereignisse von El Niño führen fast immer zu einem dramatischen Rückgang der Sardellenbiomasse, aber die Erholung nach dem Ereignis ist nicht immer nach dem gleichen Muster verlaufen. Es wird davon ausgegangen, dass die Schwankungen der Erholungsrate zumindest teilweise auf das Management-System zurückzuführen sind. Zunehmend vorsorgliche Regelungen seit den 1980er Jahren haben zu einer konsequenteren und schnelleren Erholung des Sardellenbestandes geführt.

Volkswirtschaftliche Folgen von El Niño für südostpazifische Küstenstaaten

Vor Einsetzen der Industriefischerei in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war der Vogelkot der Seevögel (Guano), der sich über Tausende von Jahren auf den vorgelagerten Inseln in meterhohen Lagen abgesetzt hatte, das bei Weitem wichtigste Produkt im Auftriebssystem vor Peru und Chile. Schon den Inkas war die Qualität des Guanos als Dünger bekannt.

Teilweise schaffen es die Anchovis, während ausgeprägter El Niños sich in verbliebenen Kaltwasserzellen zu konzentrieren, wodurch sie umso leichter von der Industriefischerei gefangen werden konnten. In der Folge des El Niño von 1983/84 brach die Anchovisfischerei vor Peru schließlich völlig zusammen. 1997/98 hatte man aus den Fehlern gelernt und den Fischereidruck während des El Niño drastisch verringert. So gingen zwar die Erträge von zuvor 12 Millionen Tonnen jährlich auf lediglich 2 Millionen zurück, aber schon im nächsten Jahr nahmen die Fangmengen wieder zu.

Wegen des ausbleibenden Nährstofflifts suchen die Fischschwärme ihre Nahrung in größeren Tiefen oder wandern in kühlere Regionen ab, z.B. in chilenische Gewässer. Gleichzeitig müssen dann die Meeresvögel zu Millionen verhungern. Deswegen erleidet die Fischerei hohe Ertragseinbußen, die Fischmehlindustrie verliert ihren Grundstoff. Perus bedeutendes Exportgut erleidet Einbußen mit negativen Folgen für die Handelsbilanz, die Küstenbewohner verlieren ihre Lebensgrundlage und finden sich zwischen zwei Wüsten wieder, der Küstenwüste an Land und der plötzlichen Meereswüste im vorübergehend gewandelten Humboldtstrom.

An dieser Stelle ist der Hinweis wichtig, dass die Auswirkungen auf die Fischwelt und die Fischwirtschaft deutlich differenzierter sind, als hier dargestellt. Beispielsweise spielt die Überfischung bei Zusammenbrüchen von Fischpopulationen eine wesentliche Rolle. Für eine ausführliche Darstellung wird u.a. auf Arntz/Fahrbach (1991) verwiesen.

Weitere Folgen:

Zahlen für Chile 1997/98:

Zahlen für Ecuador 1997/98:

Das Beispiel Peru

Peru geht von einem volkswirtschaftlichen Schaden von 1,2 Mrd. $ infolge der 1997 dramatisch zurückgegangenen Fischfangerträge im Bereich des Humboldtstromes aus. Die Fischmehlproduktion sank gegenüber dem Vorjahr um ca. 0,3 Mio Tonnen auf 1,66 Mio Tonnen. Trotz der niedrigeren Produktion stiegen die Fischmehlexporte um 0,3 Mio Tonnen auf 1,96 Millionen Tonnen. Dieser Rekordexport verbrauchte die gesamten Fischmehlvorräte Perus. Gleichzeitig wurde der Inlandsverbrauch halbiert.

Mindererlöse konnten nicht durch höhere Preise kompensiert werden, da sich in Europa die Preise für Fischmehl wegen der seit Jahren zurückgegangenen Fangmengen in Chile und Peru und der unverändert starken Nachfrage inzwischen auf einem hohen Niveau eingependelt haben. Zudem nahm zur gleichen Zeit die Fischmehlproduktion in Europa zu.

Die peruanische Fischölproduktion sank drastisch von 415.000 Tonnen (1996) auf 280.000 Tonnen (1997). Dennoch waren auch hierbei die Exportzahlen höher als im Vorjahr.

Besondere Leidtragende waren die traditionellen Fischer, die 80 % der in Peru konsumierten Meerestiere bereitstellen. Ihre ohnehin dürftigen Einkünfte (unter 200 $/Monat) wurden weiter reduziert. 40 % ihrer Boote wurden durch El Niño-Stürme beschädigt. Nahezu 200 Landungsstege, lebenswichtige Infrastrukturen, wurden zerstört. Gleichzeitig haben besonders die traditionellen Fischer stark unter der Überfischung der peruanischen Gewässer zu leiden, die vor allem durch industrielle Fischerei verursacht wird. Hierzu trägt eine beträchtliche Zahl ausländischer Fischtrawler, insbesondere aus Korea bei, die praktisch keinen Kontrollen bezüglich des Schutzes der Fischbestände unterliegen.

Nach dem El Niño von 1997/98 war die FAO zunächst davon ausgegangen, dass es Jahre dauere, bis sich die Fischbestände wieder erholt haben. Die folgende Grafik zeigt ein positiveres Bild für die Folgejahre, aber auch einen erneuten starken Einbruch in 2010.

peru_fischproduktion
Gesamte Fischproduktion in Peru, inkl. Fang, Marikultur, Aquakultur. Quelle: FAO

Schon beim El Niño von 1972 brach die weltgrößte Fischereiwirtschaft aufgrund der Überfischung der peruanischen Sardelle ((Engraulis ringens) zusammen. Die Fischart ist die Grundlage der peruanischen Fischmehlproduktion, bei der Peru Weltmarktführer ist.

Während des El Niño-Ereignisses von 1982-83 wurden die Populationen von Bastardmakrelen und Sardellen reduziert, Jakobsmuscheln vermehrten sich im wärmeren Wasser, aber der Seehecht zog sich in kühlere Wasserschichten am Kontinentalabhang zurück, wohingegen Garnelen und Sardinen in den kühleren Süden auswichen.
Die Bestände an Pferdemakrelen haben sich bei Warmereignissen in der Region vermehrt. Die beschriebenen Veränderungen der Standorte von Fischen und der Fischarten stellen die Fischindustrie immer wieder vor große Herausforderungen.

Positive Folgen

Das erwärmte Wasser lockt "dicke" Fische, wie z.B. Hammerhai, Albacore, Dorado, Gitarrenfisch, Thunfisch, Butterfisch, Höckerfisch, und Kugelfisch in die Gewässer Perus, die dort normalerweise nicht zu finden sind. Daneben lässt sich eine ungewöhnliche Südwärtsausbreitung von Mollusken und Krustentieren beobachten. Die begehrten Pilgermuscheln, die normalerweise nur in geschützten Buchten zu finden sind, vermehren sich in El Niño-Jahren explosionsartig und übersäen die Strände Perus.
In früheren Jahren wurde gar der Begriff "años de abundancia" (Jahre des Überflusses) geprägt, da die niederschlagsbedingte Zunahme des Pflanzenwachstums in ariden Regionen die Landwirtschaft begünstigte oder da vorübergehend Binnenseen entstanden, die zeitweise eine bescheidene Fischwirtschaft ermöglichten. Während des Niño von 1997/98 entstand beispielsweise in der nordperuanischen Wüste ein See mit 185 Meilen Länge, 25 Meilen Breite und einer Tiefe von 10 m.

Weitere Informationen: Fishery and Aquaculture Country Profiles - The Republic of Peru (FAO 2014)

Über die Situation in Mexiko finden sich ausführliche Informationen im Anhang in der WMO Retrospektive auf Seite 46/47.

Weitere Informationen: