
Im Februar und März 2000 wurde Mozambik von außergewöhnlich starken Niederschlägen und nachfolgenden Überschwemmungen betroffen. Hohe Sachschäden und Menschenverluste in diesem armen Entwicklungsland, das sich gerade von den Bürgerkriegswirren zu erholen begann, waren das Ergebnis.
Die Niederschläge der tropischen Regenzeit waren vermutlich verstärkt durch Telekonnektionen der seit 1999 andauernden La Niña-Phase. Zusätzlich wurden die Niederschläge erhöht durch Starkregen aus 3 tropischen Wirbelstürmen, die über dem Indischen Ozean entstanden und aufs Land übertraten.
Tropische Wirbelstürme sind um diese Jahreszeit und in dieser Region nicht ungewöhnlich. Ihre Energie ist von der Wassertemperatur abhängig und die betrug dieses Jahr außergewöhnliche 29°C bei dem Tropischen Wirbelsturm Eline, von dem es im Anhang eine interessante MPEG-Animation gibt. (Die Zeitspanne von der Annäherung bis zum Festlandskontakt mit gut ausgeprägtem Auge war etwa vom 19.2.2000 - 0 Uhr bis zum 22.2.2000 abends.)
Quelle: Deutscher Wetterdienst - GPCC Visualizer
Der anthropogene Treibhauseffekt ist nach Ansicht von Meteorologen nicht für die Starkniederschläge verantwortlich.
Bereits 1999 litt Mozambik unter den bis dahin schlimmsten Überflutungen der vergangenen 40 Jahre. Damals war die Lage vornehmlich in den südlichen Landesteilen durch die stark verlangsamte Wasseraufnahmefähigkeit der Böden verschärft, die durch eine verheerende Dürre der vorangegangenen El Niño-Episode verbacken waren.
mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und des Fotografen
mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und des Fotografen
Quelle: NASA
Quelle: NASA
Ein sogar fast noch eindrucksvolleres Beispiel einer Überflutung, die auf einem Satellitenbild nachvollzogen werden kann, befindet sich im Anhang unter Mississippi. Ebenfalls im Anhang befindet sich eine Analyse der Niederschläge im südlichen Afrika, verfasst vom Deutschen Wetterdienst.
Quelle: NOAA (Satellitenbild vom 25. Februar 2000)
Quelle: NOAA (Satellitenbild vom 10. März 2000)
Quelle: NASA Visible Earth image directory
Siehe auch den Artikel von Thomas Veser für die Deutsche Welthungerhilfe im Anhang. Er gibt eindringliche Hintergrundinformationen über das von denselben Zyklonen betroffene Madagaskar.
Zwischenzeitlich wurde von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und dem World Institute for Disaster Risk Management (DRM) mit Unterstützung der Münchener Rück Stiftung ein Flutwarnsystem in Mosambik eingerichtet.
Im Rahmen der Co-Finanzierung der Stiftung der Münchner Re (MRS) und der GTZ für die PRODER Komponente "Flutwarnsystem Mosambik" im Wassereinzugsgebiet des Rio Búzi fand am 24.11. 2005 die Simulationsübung des "people oriented Early Warning Systems" – SIDPABB – statt. Diese Maßnahme wurde seit Juli 2005 durch die Installation von Regenmessern und einfachen Wasserstandspegel im Oberlauf des Rio Búzi und die damit verbundene Ausbildung von Freiwilligen zur Datenerfassung und -übertragung vorbereitet. Durch einen Wissenstransfer "Süd – Süd" mit der Karibikküste von Honduras beraten verschiedene zentralamerikanische Fachkräfte die mosambikanischen Institutionen, wie den Wetter- und Hydrologischen Dienst, die lokale Distriktregierung und die Dorfgemeinschaften beim Aufbau dieses für Mosambik modellhaften Flutwarnsystem.
Der Aufbau eines solchen Flutwarnsystems mit verschiedenen Institutionen, kirchliche Missionsstationen und den
Dorfgemeinschaften ist erforderlich, da bisher keine ausreichenden Regenfall- und Wasserstandsdaten im Einzugsgebiet
vorhanden sind. Mittel zur Erstellung einer aufwendigen hydrologischen Studie einschließlich Modellrechnungen sind
beim hydrologischen Dienst nicht verfügbar.
Das Grundprinzip dieses modellhaften Flutwarnsystems ist die direkte Kommunikation von verschiedenen Messstationen
im Oberlauf, mit einem Auswertungs- und Frühwarnkomitee in der Distrikthauptstadt Búzi, um von dort die gefährdeten
Dorfgemeinschaften durch der Distriktadministrator genauer und schneller über eine Flutwelle warnen zu können. Der
Aufbau wird von den Provinzinstitutionen der Wetter- und Hydrologischen Dienste und dem mosambikanischen
Katastrophenmanagementbehörde INGC unterstützt.
Die Übung wurde im Beisein des National Direktors von INGC, Dr. Silvano Langa, dem Vertreter der Munich Re aus
Johannesburg, Herrn Collin Griffith, Vertretern der Provinzregierungen von Sofala, Manica und Inhambane, sowie
verschiedenen Administratoren (u.a. Sr. Lucas Renço, ehem. Administrator von Búzi, jetzt Distrikt Caia) und ca.
120 Mitgliedern der Dorfgemeinschaften Inharongue, Muchunesse und Munamicua durchgeführt. Dabei wurde vor allem
mit den Freiwilligen der Messstellen vom Flussoberlauf die Datenübertragung und -auswertung durch das Freiwilligenkomitee
in Búzi geprobt. Einfach sichtbare Warnflaggen (blau, gelb und rot) wurden gehisst und der neue Administrator von Búzi
hat dann den Katastrophenalarm ausgelöst.
Eine thematische Einführungsveranstaltung zu SIDPABB wurde vor der Simulationsübung in der Distriktverwaltung in Búzi
durchgeführt, um die Ziele und das System vorab zu erklären.
Die Simulationsveranstaltung ist erfolgreich durchgeführt wurden. Die Freiwilligen aus den am Oberlauf gelegenen Messstellen haben durch ihre direkte Beteilung Sinn und Zweck der Datenübermittlung verstanden und eine soziale Verantwortlichkeit für die gefährdete Bevölkerung in den Überschwemmungsgebieten konnte erzeugt werden.
Der neue Administrator hat während der Veranstaltung aktiv mitgearbeitet und so sich in die Maßnahmen integriert. Dr. Langa beurteilte die Simulationsveranstaltung positiv und will sie als "Best pratice" verbreiten. Es wurde bekannt, dass das INGC vom Außenministerium in das Ministerium für staatliche Verwaltung (MAE) integriert werden soll. Dies unterstützt sehr den von PRODER DRM/GRC gefahrenen Ansatz der Einbeziehung der lokalen (Distrikt)Regierungen in die Katastrophenvorsorge sowie die Integration in die Distriktplanung.
Während der nächsten Regenzeit müssen in dem Flutwarnsystem SIDPABB die kritischen Pegelstände im Oberlauf definiert werden, die zu Überschwemmungen im Unterlauf führen.
Im Zuge der Co-Finanzierung MRS werden weitere katastrophengefährdeten Dorfgemeinschaften und zusätzliche Messstellen in das SIDPABB System integriert. Auch wird die lokale Distriktregierung beim Aufbau eines eignen Beratungsdienstes für die Dorfgemeinschaften unterstützt.
Quelle: MunichRe Stiftung, Simulationsübung