
In diesem Kapitel sind vorrangig Auswirkungen dargestellt, die mit El Niño-Ereignissen in Zusammenhang gebracht werden, nur gelegentlich wird auch auf La Niña-bezogene Auswirkungen eingegangen. Diese auch in der einschlägigen Literatur anzutreffende 'Benachteiligung' des zweiten Extremphasentyps von ENSO mag darin begründet sein, dass La Niña nicht von allen Experten als eigenständiges Element von ENSO betrachtet wird, eher als verstärkte Variante des Normalzustands des Systems Ozean/Atmosphäre. Es mag auch daran liegen, dass der pazifische Äquatorbereich sich während La Niña nicht in gleichem Maße abkühlt wie er sich während El Niño erwärmt, oder daran, dass markante Auswirkungen von La Niña-Ereignissen weniger häufig sind.
Ferner ist zu diesem Kapitel anzumerken, dass die sektoralen Auswirkungen (Wirtschaft, Gesundheit, Verkehr, Pflanzenwachstum usw.) nicht separat dargestellt werden, sondern in die regionalen Betrachtungen einbezogen sind.
Die eher als "regional" einzustufenden Auswirkungen auf Länder wie Peru, Ecuador oder Kolumbien sind wegen der schwierigen räumlichen Abgrenzbarkeit in dieses Kapitel mit aufgenommen. Es sei aber auf das Peru-bezogene Kapitel "Auswirkungen von El Niño auf die Fischwelt" verwiesen.
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Mögliche Wirkungsketten bei El Niño-Ereignissen
Zu größerer Darstellung auf Grafik klicken Quelle: Caviedes, C.N. (2005): El Niño. Klima macht Geschichte. Darmstadt |
Die hier beschriebenen Ereignisse können nicht mit unangreifbarar Sicherheit als Auswirkungen von ENSO-Extremereignissen bezeichnet werden. Viele Wetterereignisse
werden durch El Niño bzw. La Niña allerdings wahrscheinlicher bzw. unwahrscheinlicher. Aber ihre einzige Ursache ist ENSO in den
seltensten Fällen.
Durch Statistiken und Grafiken wird illustriert, wie man zu der Annahme kommt, dass ein Einfluss seitens ENSO vorliegt. Doch auch diese Daten
können bestenfalls als Indiz, nicht als Beweis angesehen werden.
Gerade dadurch wird dieses Kapitel interessant. Die beschriebenen Auswirkungen sind teilweise Gegenstand heftiger Diskussionen. Durch
eine brauchbare El Niño/La Niña-Vorhersage könnten nämlich auch schadensträchtige Ereignisse vorhergesagt und
hohe Schäden und Menschenverluste vermieden werden.
Allerdings stellt es sich immer wieder heraus, dass viele Auswirkungen nicht bei jedem El Niño/La Niña-Ereignis in gleicher
Weise auftreten. Es kann sogar sein, dass ein El Niño z.B. in einem bestimmten Gebiet zu einer Dürre führt, obwohl ein
anderer einige Jahre zuvor dort eine Flutkatastrophe verursacht hat. Oder ist die Erklärung einfach die, dass das Witterungsereignis
nichts mit El Niño zu tun hat? So lange das nicht mit hoher Verlässlichkeit geklärt ist, ist gegenüber zu einfachen Verknüpfungen von Ursache und Folge Zurückhaltung angebracht.
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Problems and uncertainties in determining impacts of ENSO Links: The figure left presents an illustration of the problems of attributing particular impacts to ENSO. In this instance, there are several steps between attributing a more intense jet stream to El Niño and CO poisoning among residents of poorly ventilated houses who used gas heaters after an ice storm. Each step has a level of uncertainty in attribution. Another potentially highly relevant question to consider is how ENSO modulates the behaviors of higher-frequency patterns—such modulation effects would not correlate linearly with ENSO, but would still be associated with it. Rechts: Auszug aus einem Kapitel ('Methods for Studying Impacts of ENSO') der IRI-Seite über ENSO Zu größerer Darstellung auf Grafiken klicken Quelle: MetEd / UCAR; IRI |
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Auch wenn hier den Auswirkungen der Warmphase (El Niño) mehr Raum eingeräumt ist, so darf nicht übersehen werden, dass
auch mit der Kaltphase (La Niña) extreme Wetterereignisse auf nahezu dem gesamten Globus einhergehen können. Einige Wissenschaftler
gehen davon aus, dass in manchen Regionen La Niña-bezogene Extremereignisse eine gegensätzliche Ausprägung haben als El
Niño-bezogene. Beispielsweise ist Trockenheit im südlichen Afrika eine Begleiterscheinung von El Niño, während
außerwöhnlich hohe Niederschläge mit La Niña verknüpft sind. "Researchers are just beginning to realize that
they should focus more attention on the cold part of the cycle to enhance their overall forecast possibilities"
(M. Glantz in
"Encyclopedia of World Climatology", 2005).
Im allgemeinen werden die wissenschaftlichen Aussagen über die Fernwirkungen oder "Telekonnektionen" von El Niño um so unsicherer, je weiter man sich von der pazifischen "Wetterküche" entfernt (Topics, Münchener Rück, Naturkatastrophen 1997).
Weniger zurückhaltend geht z.B. John Houghton von der Royal Commission on Environmental Pollution davon aus, dass sich sämtliche Anomalien der Zirkulation und des Niederschlags in allen tropischen Gebieten, sowie in einem geringeren Maß auch in den mittleren Breiten, auf El Niño zurückzuführen seien.
"Also, it is often the adverse impacts of ENSO variations that receive the most publicity, whereas the benefits, at least for some regions of the globe, are much less understood and appreciated. It is estimated, for example, that the 1997–1998 El Niño resulted in a net benefit of $20 billion to the U.S. economy because of the reduced number of land-falling hurricanes and the unusually warm winter in the Midwest."
McPhaden, M. J., Zebiak, S. E., Glantz, M. H. (2006): ENSO as an Integrating Concept in Earth Science
Auffallend ist die deutlich höhere Zahl von wissenschaftlichen wie auch von journalistischen Arbeiten über die negativen Auswirkungen von ENSO-Ereignissen gegenüber den positiven Effekten. Über die Ursachen für diese Unausgewogenheit darf spekuliert werden. Die Erstellung einer verlässlichen weltweiten Bilanz für einzelne ENSO-Ereignisse dürfte eine fast unlösbare Aufgabe sein.
Die vorliegende Zusammenstellung von Auswirkungen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Auswirkungen eines starken El Niño können nach Meinung führender Meteorologen und
Klimatologen nahezu global sein, denn der Anstieg der äquatornahen Oberflächentemperaturen des zentralen und östlichen Pazifik
"heizt" das Wettergeschehen in sehr viel größeren Regionen an.
So verstärkt die erhöhte Meeresoberflächentemperatur im tropischen Pazifik Verdunstung
und Konvektion und letztlich auch die meridionale Hadley-Zirkulation.
Die beim Aufsteigen der Luftmassen erfolgende Kondensation setzt in der mittleren und oberen Troposphäre
Wärme frei. Diese Energie wird mit der Hadley-Zirkulation polwärts transportiert, sodass auch die außertropischen
Windströmungsmuster von El Niño beeinflusst werden.
Generell ist die Wärme, die als Folge hochreichender tropischer Konvektion in der Troposphäre freigesetzt wird, eine der wichtigsten Antriebskräfte für die planetarische Zirkulation. Lageveränderungen dieser tropischen Wärmequellen während El Niño führen daher zu weitreichenden Änderungen der Wind- und Witterungsmuster außerhalb des tropischen Pazifiks.
Beispielsweise werden die Westwinde der mittleren Breiten intensiviert, besonders im Winter. In verschiedensten Teilen der Erde können Dürren, Überschwemmungen, ungewöhnliche Sturmereignisse, Hitzewellen und andere Wetterextreme mit ernsten sozialen, ökonomischen und gesundheitlichen Auswirkungen ebenso die Folge der geänderten Strömungsmuster sein, wie auch positive Auswirkungen, z.B. milde Winter in Nordamerika.
Zu den gesundheitlichen Auswirkungen vgl. folgende Publikationen:
R. Sari Kovats u.a., The Lancet (2003): El Niño and Health
R. Sari Kovats, Bulletin of the WHO, (2000): El Niño and Human Health
R. Sari Kovats u.a., WHO Publikation (1999): El Niño and Health
Die anomale Erwärmung der Troposphäre über dem tropischen Zentralpazifik während El Niño erzeugt quasi-stationäre atmosphärische Wellenzüge, die polwärts und ostwärts ausstrahlen. Auf der Nordhalbkugel erzeugen diese Wellen das pazifisch-nordamerikanische Telekonnektionsmuster (PNA pattern), das aus einer Serie von Hoch- und Tiefdruckzentren besteht, die sich vom zentralen Nordpazifik bis nach Nordamerika erstrecken. Während eines El Niño vertieft sich das Aleutentief, hoher Druck bildet sich über dem westlichen Nordamerika aus, und Tiefdruck herrscht über den südöstlichen USA vor. Diese Druckverteilung lenkt warme Luftmassen aus südlichen Breiten in die nordwestlichen USA und das südliche Kanada und bringt diesen Gebieten die erwähnten milden Winter. Die Bundesstaaten um den Golf erfahren kühleres und regenreicheres Wetter.
Die ostwärtige Verlagerung der hochreichenden Konvektion während El Niño verstärkt auch den Kernbereich der Jet Streams und bewirkt ihre südostwärtige Verlagerung in den zentralen und östlichen Pazifik. Die Strahlströme besitzen einen wesentlichen Einfluß auf die Lage von Sturmbahnen, so dass das südliche Kalifornien und das nördliche Chile im jeweiligen Winter mit stürmischerer und feuchterer Witterung rechnen müssen.
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Abweichungen des Niederschlags während des letzten starken El Niño vom Durchschnitt (1980-2004) in mm/Monat (Monate Dezember 1997, Januar 1998, Februar 1998)
Die Grundlagen für dieses kombinierte Datenprodukt sind Messungen von Wetterstationen bzgl. der Landflächen sowie Satellitenbeobachtungen bzgl. der Meeresflächen. Zu größerer Darstellung auf Grafik klicken Für eine entsprechende Darstellung des La Niña-Ereignisses 1999/2000 hier klicken! Quelle: Deutscher Wetterdienst / GPCC, persönl. Mitteilung |
Im Rahmen des "global warming" erwärmt sich der Ostpazifik voraussichtlich mit etwa 3°C bis zum Jahr 2100 sehr viel stärker als der Westpazifik, dessen Temperatur sich nur um etwa 1°C erhöht. Manche Klimatologen vermuten, dass El Niño-ähnliche Situationen künftig sehr viel häufiger auftreten werden, falls der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen, vor allem des CO2, nicht drastisch gesenkt wird.
Dies kann bedeutende Auswirkungen auf verschiedene Ökosysteme haben. So kann ein terrestrisches Ökosystem von einer CO2-Senke zu einer CO2-Quelle werden, was amerikanische Wissenschaftler zwischen 1980 und 1994 anhand eines biogeotechnischen Modells und Messungen in den Wäldern und Savannen des Amazonasbeckens entdeckten (Nature, Bd. 396, S. 619, 1998). Aus dem Amazonasbecken können in einem El Niño-Jahr bis zu 200 Mio. t des Treibhausgases CO2 emittiert werden. Der Grund liegt in den geringeren Niederschlägen.
Andererseits führt ein starker El Niño zu einem beträchtlichen Rückgang der CO2-Emissionen aus dem äquatorialen Pazifik. Im Gegensatz zu den meisten Meeresteilen ist der äquatoriale Pazifik üblicherweise eine CO2-Quelle. Ursachen sind die CO2-reichen Tiefenwässer, die hier an die Oberfläche gelangen und die geringe biologische Aktivität. Forscher schätzen, dass im Laufe eines Jahres während des El Niño-Ereignisses von 1997/98 700 Millionen Tonnen CO2 weniger emittiert wurden als im vorausgegangenen Jahr. Dies entspricht der Häfte der gesamten US-amerikanischen CO2-Emissionen aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen.
Diese Beobachtungen werden möglich durch 1996 installierte chemische Sensoren an einigen Bojen des TAO-Messnetzes.
Gleichzeitig wurden auch biologische Sensoren installiert, mit denen die biologische Produktivität gemessen werden kann. Diese Messungen werden
unterstützt durch Beobachtungen des 1997 in seinen Orbit geschossenen SeaWiFS-Satelliten.
Dessen Sensoren spüren feine Veränderungen der Ozean-Farbe auf, welche direkt mit der Chlorophyll-Konzentration zusammenhängt. Und diese
ist der wichtigste Indikator für biologische Aktivität im Meerwasser.
Mit den Daten des Satelliten und der Bojen entdeckte man überrachend niedrige Chlorophyll-Konzentrationen während der
intensivsten El Niño-Phase und entsprechend hohen Werten anlässlich der nachfolgenden La Niña-Episode.
Bleibt man im Bereich des Pazifiks und Indiks, so ist festzuhalten, dass die östwärtige Verlagerung der Niederschlagsgebiete entlang des Äquators während eines El Niño in Indien, Australien, Indonesien und benachbarten Staaten Dürren auftreten. Andererseits werden die Inselstaaten des zentralen Pazifiks und der Westküste Südamerikas von Starkniederschlägen heimgesucht.
Kurzfristig können durch den von El Niño-verursachten Niederschlag Wüsten grün werden oder Seen mit Fischreichtum in ariden Gebieten entstehen (z.B. Peru).
Das beim Deutschen Wetterdienst angesiedelte Global Precipitation Climatology Centre (Weltzentrum für Niederschlagsklimatologie, WZN) hat eine eindrucksvolle Grafik zur Korrelation zwischen Southern Oscillation Index und den Niederschlagswerten für verschiedene tropische Regionen erstellt (vgl. Abb. unten).
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Zeitreihe der Werte des Southern Oscillation Index
Zu größerer Darstellung Grafik anklicken
Quelle: GPCC (pers. Mitteilung) |
Gleichfalls hat das WZN Niederschlagsanalysen am Beispiel des El Niño - Ereignisses 1997/98 für den DWD Klimastatusbericht 1998 durchgeführt.
Während eines El Niños steigt als Folge der höheren Wassertemperatur der globale Meeresspiegel an, z. B. um 2 Zentimeter während des 1997/1998 El Niño-Ereignisses.
Auch kann die Erhöhung der Wassertemperatur das Absterben von Korallenriffen bewirken, wie dies 1982/83 und auch 1998 der Fall war.
Ursache ist das sogenannte coral bleaching, bei dem das Ökosystem eines Korallenriffs als Ganzes bedroht ist.
Neben den ökologischen Konsequenzen ist der lokale Fischfang, der sich auf das reichhaltige System des Riffs stützt, bedroht, wie
auch der Tourismus nachhaltig beeinflusst. Betroffen waren 1998 die Galapagos Inseln, der panamerikanischen Küste vorgelagerte
Flächen, das Great Barrier Reef und weitere tropische Gebiete. Verantwortlich ist wohl die globale Erwärmung, der die El
Niño-bedingte Erwärmung noch aufgesetzt war.
Zwar lassen sich bestimmte Grundmuster bei der räumlichen Verteilung verschiedener Fernwirkungen (Dürren, Starkniederschläge, Stürme, usw.) feststellen, doch können in einzelnen Gebieten oder Teilgebieten z.T. gegensätzliche Erscheinungen bei verschiedenen El Niños auftreten.
Im Bereich der ozeanographischen Forschung ist für El Niño-Episoden eine enge Korrelation zwischen der anomalen Erwärmung im Ostpazifik und einer solchen im südwestlichen Indischen Ozean nachgewiesen.
Lessons Learned from the 1997-98 El Niño: Once Burned, Twice Shy?
"The UN General Assembly took note of the intensity and global extent of natural disasters and requested the Secretary-General, as reflected in Resolutions 52/200 and 53/185, to develop a strategy within the framework of the International Decade for Natural Disaster Reduction (IDNDR) to prevent, mitigate and rehabilitate the damage caused by the El Niño phenomenon. As a response, the Inter-Agency Task Force on El Niño was created in December 1997. It provided a platform for combining efforts to improve the general understanding of the El Niño phenomenon, for disseminating early warnings and for channeling technical assistance and capacity-building resources to Member States threatened or affected by El Niño- and La Niña-related disaster impacts. The World Meteorological Organization (WMO), the UN Environment Programme (UNEP), the Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC, UNESCO) and the International Council for Science (ICSU) working together with the IDNDR Secretariat organized the scientific program for the First Global Assessment of the 1997-98 El Niño event in Guayaquil, Ecuador, in Novemver 1998. The report of the meeting, 'The 1997-98 El Nino Event: A Scientific and Technical Retrospective' is available in several languages at the WMO."
Quelle: Glantz (2000)
Anmerkung: Der oben erwähnte Bericht ist als englische PDF-Version im Anhang der ENSO-DVD verfügbar.
Nach einer Statistik von UN-Unterorganisationen entstanden während des El Niño von 1997/98 Schäden in Höhe von 34,3 Mrd. US$, 24.120 Menschen verloren ihr Leben als Folge von Stürmen, Überschwemmungen oder Sturmfluten (s.a. Anhang "WMO-Retrospektive" Seite 61).
Nicht zuletzt hat El Niño auch Auswirkungen auf internationale Rohstoffmärkte. Ein viel erwähntes Beispiel ist der Kokosölmarkt. Da die Dürren in SO-Asien, dem wichtigsten Anbaugebiet für Kokos, bei El Niño Ereignissen zu Missernten führen, steigt der Preis.
Hinsichtlich der Preise für Soja haben amerikanische Forscher (Letson/McCullough) zwar eine Korrelation zum interanuellen Klima gefunden, können diese aber nicht ENSO zuordnen oder sagen, ENSO sei ökonomisch bedeutsam.
Michael Byrnes von Reuters berichtet von Hypothesen, nach denen frühere El Niño-Ereignisse über witterungsbedingte Missernten für die Französische Revolution mitverantwortlich sein könnten (El Niño von 1787-88), ebenso für die Irish Potato Famine, bei der außergewöhnliche Witterung die Kartoffelfäule begünstigten (El Niño von 1845), ferner für die Pest im 14. Jahrhundert. Allerdings steht für die Dürre und Kälte in Europa auch eine riesige Aschewolke des Vulkans Laki aus Island im Jahre 1784 im Verdacht, letztlich die Französische Revolution angestoßen zu haben.
Ferner sollen Grippe-, Pocken- und Malariaepidemien zwischen 1557 und 1900 Bezüge zu El Niño-Ereignissen haben. Hypothesen, wie gesagt.
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Kokosölpreis von 1962 bis 2005 (blau) Die selbst erstellte Grafik basiert auf einer Datenreihe zu den Kokosölpreisen, die uns freundlicherweise von der Firma Cognis zur Verfügung gestellt wurde, sowie auf den Zeitreihen zum MEI. Zu größerer Darstellung auf Grafik klicken Grafik: N. Marschall |
Auf völlig anderem Gebiet erscheint eine Annahme von Wissenschaftlern zunächst fragwürdig. Es geht um die Gestalt der Erde, das Geoid. Dieses würde durch klimabedingte Verlagerungen von Wassermassen in den Meeren, in den Ozeanen und auf den Landmassen Veränderungen erfahren. Neuere Satellitenmissionen scheinen derartige Einflüsse von Klimaereignissen wie El Niño-Southern Oscillation und Pacific Decadal Oscillation tatsächlich zu bestätigen.
Donnerstag, 26. März 1998 10:26 Uhr
Nasa: Erde dreht sich wegen El Niño langsamerWashington (Reuters) - Nach Angaben der Nasa dreht sich die Erde wegen El Niño langsamer als gewöhnlich. Dadurch würden die Tage minimal länger, erklärte die Nasa am Mittwoch. Der längste Tag sei der 5. Februar gewesen, der 0,6 Millisekunden länger gedauert habe als üblich. Insgesamt habe El Niño seit seinem Beginn Ende des vergangenen Jahres eine zusätzliche Zehntelsekunde gebracht - die Zeit, die es für ein Augenzwinkern braucht. Mit dem Abflauen von El Niño beschleunige allerdings auch die Erde wieder, derzeit seien die Tage noch etwa 0,4 Millisekunden zu lang.
Das Abbremsen der Erde sei eine Ausgleichsreaktion auf El Niño gewesen, erklärte die Nasa. Mit El Niño hätten die Bewegungen der Atmosphäre zugenommen. Da die Summe aus den Bewegungen der Atmosphäre und dem Drehmoment der Erde aber konstant bleiben müsse, drehe die Erde sich zum Ausgleich langsamer.
Quelle: REUTERS
Die im Kasten erwähnte vorübergehende Verlangsamung der Erdumdrehung bei El Niño (gegenteiliger
Effekt bei La Niña) wird als eher marginale Auswirkung gesehen. Ernsteren Charakter haben hypothetische Effekte,
die von einer großen Zahl von Wissenschaftlern und Freizeitforschern zusammengetragen wurden. So meint ein
Hobby-Meteorologe aus San Diego (Kalifornien), herausgefunden zu haben, dass der Untergang der R.M.S. Titanic am 14.
April 1912 letztendlich von El Niño verursacht wurde. Ein vorhergehender El Niño habe eine Erwärmung
des Wassers im Nordatlantik verursacht, was zur Entstehung besonders vieler Eisberge geführt hätte (durch
höhere Temperaturen brechen leichter Stücke vom Eis im äußersten Nordatlantik ab).
Der Meteorologe untersucht nun, in wie weit La Niña für eine große Dürre 1938 in den
USA (Dust Bowl im Mittleren Westen) verantwortlich gewesen sein könnte. Da
das Phänomen damals noch nicht bekannt war, hatte natürlich auch niemand versucht, die Dürre damit in
Verbindung zu bringen.
Tatsächlich ist es sogar nicht auszuschließen, dass selbst in der Bibel beschriebene Naturkatastrophen
vereinzelt auf von El Niño oder La Niña beeinflussten Ereignissen basieren. Da aber keine genauen
Jahreszahlen vorliegen, lässt sich das schwerlich überprüfen.
Caviedes (2005) dokumentiert weitere Spuren von ENSO in der Weltgeschichte, zu ihnen gehören Hitlers Desaster in Stalingrad, Napoleons Scheitern vor Moskau oder Haile Selassies Sturz als Folge der Sahel-Dürre.
Nach einer Forschergruppe um Solomon M. Hsiang (Columbia University, NY) gab es in El-Niño-Jahren des Zeitraums von 1950 bis 2004 doppelt so viele Bürgerkriege wie sonst. Jeder fünfte Bürgerkrieg weltweit werde von El Niño verursacht. Für ihre im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichte Studie werteten die Wissenschaftler 234 Bürgerkriege in dem 54-jährigen Untersuchungszeitraum aus, bei denen jeweils mehr als 25 Menschen umkamen; der Hälfte der Konflikte fielen sogar mehr als tausend Menschen durch Kämpfe zum Opfer. Während El-Niño-Jahren verdoppelte sich die Zahl der Kriege in den Ländern, die von dem Wetterphänomen betroffen sind. In den übrigen Staaten jedoch schwankte die Zahl der Bürgerkriege kaum, dort gab es ohnehin weniger bewaffnete Konflikte - selbst in Jahren ohne El Niño nur halb so viele wie in den von El-Niño betroffenen Staaten.
Nach Hsiang ragten einzelne Ereignisse heraus:
Eine kurze, englischsprachige Übersicht über die globalen Auswirkungen von ENSO mit Statistik befindet sich im Anhang der DVD in der "WMO-Retrospektive" Seite 61.
Zum Schmunzeln .....
El Niño and morals
Reuters reports that Senate Minority Leader Tom Daschle claimed 'Monica Lewinsky is the legislative equivalent of El Niño with a lot of Republicans. If they wanted to get things done, they could do them. There is nothing that prevents them from doing it. (The Lewinsky scandal) is just a convenient excuse like El Niño seems to be in other parts of the country as we try to explain away strange happenings.' (It was not clear if the Special Prosecutor, Kenneth Starr, would seek to call El Niño before a grand jury to determine if the weather phenomenon is seeking to obstruct on-going investigations. As usual, El Niño had no comment.)
Für genauere Angaben bitte auf den jeweiligen Kontinent klicken oder unten weiterlesen.
Grafik von Claus Faller und Manuel Woelker nach einer Vorlage von John Walker.El Niño-bezogene Auswirkungen auf Europa sind noch nicht eindeutig belegbar und nach verbreiteter Ansicht verglichen mit anderen Großräumen nur schwach ausgeprägt. In der statistischen Analyse bestehen viele Unsicherheiten:
Viele Wissenschaftler sind auch der Ansicht, dass der Effekt nicht stationär ist, dass also El Niño nicht immer den selben Einfluss auf Europa hat. Das bedeutet, dass z.B. sowohl warme als auch kalte Winter durch ein gleichzeitiges El Niño-Ereignis erklärt werden könnten. Zum Zeitpunkt des Einsetzens eines El Niño würden dann leichte Änderungen im El Niño-Muster oder im Zirkulationsmuster über dem Atlantik bestimmen, welchen Weg das Klimasystem wählt. Schweizer Forscher (Brönnimann u.a.) haben anhand des El Niño von 1940-42 ein Muster gefunden: kalte Winter in Europa, schwacher Polarwirbel, warme arktische Stratosphäre, viel Ozon über der Arktis.
Nach jetzigem Kenntnisstand kann es während El Niño-Ereignissen zu einem verstärkten Auftreten von winterlichen Tiefdruckgebieten über Europa kommen. Auch weisen statistische Analysen der Universität Frankfurt auf einen Einfluss von El Niño auf die Nordatlantik-Oszillation und damit auf das europäische Wettergeschehen hin. Demgegenüber weisen La Niña-Ereignisse die Tendenz auf, geringeren Winterniederschlag im Westen und Südwesten Europas zu verursachen.
Weitaus engere Verbindungen zwischen El Niño und Europa lässt die ausführliche Darstellung von Caviedes (2005) vermuten.
Generell bestehen in Australien starke Klimaschwankungen, und zwar in Abhängigkeit von der Southern Oscillation.
Der Insel-Kontinent Australien besitzt einen trockenen inneren Kern, der von den Hochebenen um Alice Springs eingenommen wird. Zu 83% gilt das Land als semiarid, nur am nördlichen, südöstlichen und südwestlichen Rand des Kontinents überwiegt der Niederschlag die Verdunstung.
Der randtropische Nordrand und ein Teil der Ostküste erhalten ihre konvektiven Hauptniederschläge im Südsommer durch Seewinde. Dazu kommt oft verheerender Starkregen aus den wandernden Zyklonen, die über der warmen Korallensee und der Arafura-See entstehen.
Im SO Australiens fällt der Regen im Winter mit dem Durchzug von Fronten aus dem Osten. Dagegen liegt das Gebiet um Adelaide sowie SW-Australien unter dem Einfluss der westerlies, die im S des Indischen Ozeans vorherrschend sind. Einzelne Zyklonen aus den mittleren Breiten bringen dort Winterregen. Dürren erklären sich in Australien aus den Blockierungssituationen, die in manchen Jahren über dem S und SW des Kontinents entstehen: Auf der Südhalbkugel, wo es jenseits des 40. Breitengrads nur wenige Landmassen gibt, zieht eine ständige Folge von Hoch- und Tiefdruckzellen von West nach Ost über den Ozean.
Im Südwinter dominiert die Hochdrucklage, und kalte Meeresluft von S gelangt bis ins Innere des Kontinents, wo sie jegliches Vordringen von feuchtwarmer Luft aus dem N blockiert. Im Sommer tritt normalerweise eine Schwächung der Hochdrucklage ein. Es gibt aber auch Jahre, in denen dies infolge von Anomalien in der tropischen Zirkulation nicht geschieht, wie z.B. bei einem El Niño-Ereignis. Dann wird das blockierende Hoch stationär und der größte Teil Australiens sowie der umgebenden Inselwelt bleibt ganzjährig trocken.
Während der Niedrigphasen der Südlichen Oszillation (verbreitete Tiefdrucklage und warme Wassertemperaturen im äquatorialen und östlichen Pazifik) geht die Zahl der Zyklonen über Nordaustralien und Indonesien zurück und die zuvor erläuterten Blockierungssituationen werden häufiger. Während der Hochphasen der Südlichen Oszillation (ausgeprägte Hochdrucklage und kalte Wassertemperaturen im Ostpazifik) ist die Zyklogenese um Australien sehr aktiv.
nach: Caviedes (2005) und Wikipedia
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Links: Dürre in Australien, Notversorgung einer Schafherde Rechts: Buschfeuer in Australien während des El Niño 1997/98
Quellen: |
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Links: ENSO-bedingte Niederschlagsanomalien
Rechts: Australische Weizenerträge und Southern Oscillation Index
Quelle: |
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Links: El Niño-bedingte Dürregebiete seit 1951
Rechts: Zeitreihe der größten australischen Flutereignisse in Verbindung mit dem Southern Oscillation Index
Quelle: BOM |
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Jährlicher Abfluss des Nil in Dongola, Sudan und Intensität der El Niños 1912-1975.
Zu größerer Darstellung auf Grafik klicken Quelle: Caviedes |
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Links: Sambia - Anstieg des Trockenheitsrisikos zum Frühlingsanfang als Folge von El Niño
Rechts: Zimbabwe - Anstieg des Trockenheitsrisikos zum Frühlingsanfang als Folge von El Niño
Quelle: BOM |
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Links: ENSO-bedingte Niederschlagsanomalien in Südafrika (30 S - 13 S; 20 O - 50 O): November-Mai 1890-1989 Mitte: Vegetation anomaly image is from MODIS sensor received on March 22, 2007. Dark colors show that the spatial extent of drought covers several countries in Southern Africa. Rechts: Strong El Niño years greatly reduced summer corn yields in South Africa. Zu größerer Darstellung auf Grafik klicken - Quelle: USDA |
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Links: Dürre ind Südasien Mitte: Waldbrände auf Kalimantan und Sumatra Rechts: ENSO-bedingte Niederschlags-anomalien Indonesien 10° S - 5° N; 105°O - 150°O) Juni-November 1890-1989
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Zu den Waldbränden in Indonesien vgl.:
Zu den Auswirkungen von ENSO auf Wasserhaushalt und landwirtschaftliche Produktion vgl. das Projekt IMPENSO.
Ein Fallbeispiel über die Auswirkungen des El Niño 1997/98 in Papua Neu Guinea befindet sich im Anhang in der "WMO Retrospektive auf Seite 52/53".
Erosion in Pacifica (südl. San Francisco), verursacht durch starke Stürme während des El Niño 1997/98 |
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Links: Blick Richtung N, entlang des Steilufers, Abtragungsbetrag 14 m Bild zum Vergrößern anklicken Mitte: Schrägluftaufnahme, gelber Pfeil markiert Aufnahme-StO von Bild links Rechts: 3D-Darstellung aus LIDAR-Daten, Pfeile markieren gleiche Punkte in Foto; rote Kliffflächen verdeutlichen aktive Erosionsbereiche Quelle: USGS |
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Links: Typisches Klimamuster für Nordamerika während eines El Niño-Ereignisses Zuverlässige Kenntnis über Klima und Witterungsabläufe gerade in Bezug auf solche besonderen atmosphärischen Konstellationen sind von großer Bedeutung, z.B. für die USA wo ca. ein Drittel der Wirtschaftsleistung wetterabhängig ist. Rechts: Mississippi-Flut 1993, möglicherweise El
Niño-bedingt Zum Vergrößern und zu Erläuterungen anklicken Quellen: MetEd / UCAR; NASA |
Zum Vergrößern Bild anklicken.
Zu weiteren Karten über Mexiko, hier klicken!
Quelle: University of TexasMexiko ist ein klimatisch vielgestaltiges Land, das sowohl über subtropisches und alpines
Klima als auch über Wüstenklima verfügt. Es gehört somit in den Übergangsbereich
der sommerfeuchten äußeren Tropen mit 8–10 humiden Monaten im Südosten des Landes
über die ganzjährig ariden Subtropen im Bereich des Wendekreises, bis zum Winterregenklima
Kaliforniens, das im äußersten NW (Baja California) gerade noch wirksam wird.
Generell wird an Mexikos Pazifikküste die winterliche Trockenperiode durch den kalten Kalifornienstrom
bedingt. Westlich der Sierra Madre und im Becken im NW bringen feuchte Winde aus dem Pazifik die Sommerregen.
Im Laufe des Sommers bringen die Luftmassen, die die ITK im
Pazifik nach N begleiten, Regen.
In El Niño-Jahren bleibt die ITK jedoch in Äquatornähe und die Pazifikküste von Panama
bis Mexiko erhält nur wenig Niederschlag. In solchen Jahren normalisiert sich das Regenregime erst
Ende des Sommers, und zwar im Anschluß an eine aktive Hurrikan-Saison im tropischen Nordpazifik.
Das Klima im Osten Mexikos wird hingegen von den Winden aus der warmen Karibik beeinflusst, die mit der
Stärke der nordatlantischen Passate variieren. In Jahren, in denen kein El Niño auftritt,
entwickeln sich über dem warmen Atlantik kräftige Winde, die dem östlichen Teil Mexikos
starke Frühjahrs- und Sommerregen bringen. Gute Ernten sind die Konsequenz.
In El Niño-Jahren jedoch führen gleich mehrere Umstände zu Regenknappheit: Die Westwinde
dominieren in der oberen Troposphäre, die ITK
bleibt in der Nähe oder südlich des Äquators, und Mittelamerika und Zentralmexiko befinden
sich im Bereich der trockenen NO-Passate.
Im Norden Mexikos sind die Klimamerkmale ähnlich wie im SW der USA. Wie in Kalifornien sind dort in
ENSO-Jahren die Winter reich an Regen, weil sich über dem wärmeren Pazifik besonders viele
Fronten und Tiefs bilden. Der Norden Mexikos und der SW der USA erfahren im Herbst und Winter die selben
Kälteeinbrüche aus dem Norden, die schon seit alters her Ernten vernicht und Hungersnöte
verursacht haben. Sie stehen in keiner Beziehung zu ENSO, sondern erfolgen in Abhängigkeit von
nordamerikanischen Klimaeinflüssen.
Insgesamt unterliegt das Klima Mexikos unterschiedlichen Einflüssen, und damit sind auch Mexikos
Klimakrisen nicht generell von ENSO-Entwicklungen im tropischen Pazifik in Verbindung zu bringen.
nach: Caviedes (2005) und Wikipedia
Die Küsten von Ecuador, Peru und Nordchile sind Nebelwüsten. Die starke, ENSO-verursachte Konvektion
über dem äquatorialen Ostpazifik führt jedoch zu
tropisch-kräftigen Schauern und Gewittern in Gebieten, in denen
normalerweise überhaupt kein, nur episodisch oder nur geringer
Niederschlag fällt. Auch direkt an der Küste reicht die
Labilisierung der Luftmassen für Niederschlagsprozesse aus. An der
westlichen Außenkette der ecuadorianischen Anden kommt es unter
El Niño-Bedingungen zu einer Umkehr der Windverhältnisse
und in deren Folge zu extremen Niederschlagsamplituden. So fallen in
der größten ecuadorianischen Stadt Guayaquil im November im
langjährigen Mittel (ohne El Niño-Jahre) etwa 0,6 mm
Niederschlag. Im El Niño-November 1997 dagegen 549 mm
Niederschlag (im Osterzgebirge fielen im "Katastrophensommer 2002"
innerhalb von nur 3 Tagen 412 mm). In Guayaquil liegen die Extrema also
um das etwa 900fache auseinander. Die Ursache dieser Erscheinung ist in
der folgenden Abbildung auf der Breitenlage des Chimborazo (1'30'' S)
dargestellt. Während in normalen Jahren die Winde zu dieser
Jahreszeit fast ausschließlich aus dem Amazonasgebiet wehen und
sich als Folge dessen fast völlig an den beiden Hauptketten der
Anden abregnen, kommt der Wind während El Niño vom Pazifik,
der zu dieser Zeit stark aufgeheizt ist. Als Folge streichen die
wasserreichen Luftmassen in nicht allzu großer Höhe
über die Costa, beginnen sich dort abzuregnen, werden an der
westlichen Außenkette der Anden zum Aufstieg gezwungen, was zu
heftigen Stauniederschlägen führt. Die Niederschlagsmengen
nehmen dabei, wie indirekt an der Verbreitung von Erosionszeugen
nachgewiesen wurde, nach oben deutlich ab (Schröder und Adler,
1999).
So wurden an der Straße von Santa Rosa in Richtung Loja 132
Erosionszeugen, davon 30 Rutschungen, bis in eine Höhe von 400 m
NN kartiert. Nach oben hin nahmen die Vergleichszahlen ständig ab.
Zwischen 1200 m und 1600 m NN gab es noch 6 Erosionserscheinungen,
wobei keine Rutschungen mehr auftraten.


Zum Vergrößern Bilder anklicken. Deutlich erkennbar sind die unterschiedliche Windrichtung und die daraus resultierenden hygrischen Verhältnisse für Costa und Westflanken der Anden zu Nicht-El Niño-Bedingungen (links) und zu El Niño-Bedingungen (rechts).
Quelle: Schröder, Hilmar (2003)Die orographische Stau- und Hebewirkung der Anden ist auch für den El Niño von 1983 dokumentiert. So regnete es im Januar 1983 im nordperuanischen Chulucanas (5°06'S/80°10'W), 95 m NN, Bergfuß der Anden) an 21 Tagen hintereinander. Drei aufeinanderfolgende Tage erreichten die Niederschläge Werte von 142,4 mm, 202,5 mm und 75,8 mm, wobei der mittlere Jahresdurchschnitt dieser Station 246,4 mm beträgt!
Mit diesen Starkniederschlägen sind Hangrutschungen und Hochwässer der Küstenflüsse, wie z. B. von Rio Chira und Rio Piura verbunden, die im Falle des ENSO-Ereignisses von 1982/83 zu wahren Sintfluten anwuchsen. Der mittlere Jahresabfluß des Rio Piura (Einzugsgebiet: 7.742 km²) betrug im Trockenjahr 1980 17,8 m³/sec und erreichte im El Niño-Jahr 1983 829 m³/sec.
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Links: Mittlerer monatlicher Abfluss des Rio Piura im Vergleich der Jahre 1980 und 1983 Quelle: Endlicher, W. in: Zum El Niño-Southern Oscillation-Ereignis 1983 und seinen Auswirkungen im peruanischen Küstengebiet. Rechts: Überschwemmungssedimente bei Casma, Peru Zu höher aufgelöster Version auf Bild klicken! Quelle: Donald T. Rodbell (Website nicht mehr existent)
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Mit diesem torrentiellen Abfluss
sind Zerstörungen der Infrastruktur wie Straßen,
Brücken, Trinkwasserleitungen und Abwasserkanälen verbunden,
sei es durch dirrekte Wassereinwirkung oder durch Erdrutsche (in Peru huaicos
genannt). Besonders gravierend ist die Beschädigung der Anlagen
für die künstliche Bewässerung der Baumwoll- und
Zuckerrohrfelder, die darüber hinaus überschwemmt und deren
Böden verdichtet bzw. mit Flussschlamm überdeckt werden.
Vgl. im Anhang den GR-Artikel von Schröder/Adler "El Niño 1997/98 in Guayaquil (Ecuador)".
In den von Überschwemmungen betroffenen Gemeinden kann es schnell
zu einer Verseuchung des Trinkwassers kommen. So verwundert es nicht,
dass 1972/73, 1982/83 und 1997/98 in den Flussoasen von Nordperu
Typhus, Ruhr, Hepatitis sowie Magen- und Darminfektionen grassierten.
Auch kann es zu einer starken Häufung von Tuberkulosefällen
kommen.
Vgl. im Anhang den Artikel über El Niño-bedingte Infektionskrankheiten
Während der genannten El Niño-Jahre drangen Schädlinge
aus den tropischen Tiefländern am Golf von Guayaquil und aus dem
Regenwald im Osten in die Küstenregionen von Nordperu vor.
Besonders gefürchtet waren der latigazo ("Peitschenhieb"), ein sonst seltener Tausendfüßler, der schmerzhafte Hautwunden zufügt, und die Leishmaniase, eine gefährliche Hautinfektion, die von Sandfliegen hervorgerufen wird.
Nordchile, das südbolivianische Hochland und NW-Argentinien, alles
aride Regionen, waren 1997/98 von einer Ausbreitung des von
Rotwildmäusen übertragenen, tödlichen Hanta-Virus
betroffen. Durch die starken Regenfälle kam es zu einer starken
Vermehrung der Nagetiere, die sich von Gräsern und Sukkulenten
ernähren.
Vgl. im Anhang zwei Artikel zum Hanta-Virus: 1, 2
Sehr problematisch ist auch die Bartonellose
(Carrion'sche Krankheit oder Oroyafieber), eine Infektionskrankheit,
die von - unter feucht-warmen El-Niño-Bedingungen
begünstigten - Stechmücken übertragen und durch
Bakterien ausgelöst wird. Die Krankheit ist in den Hochtälern
der Anden verbreitet, in Peru, Ecuador und Südwest-Columbien.
Vgl. im Anhang den Artikel über Bartonellose in Peru
Der Regenüberschuss hat aber auch positive Effekte: In den Flussoasen von Peru und Nordchile, deren Wasserversorgung aus den Schneefeldern der hohen Anden stammt, füllt der El Niño-Regen die chronisch knappen Vorräte auf. Die direkte Wirkung des Regens zeigt sich in einer vorübergehenden Ausdehnung der natürlichen Grasflächen, was der Viehwirtschaft zugute kommt, die normalerweise auf bewässerte Weiden beschränkt ist. In Nordperu können temporäre Seen mit entsprechender Vegetation und Fischpopulation entstehen.

Zum Vergrößern Bild anklicken
Quelle: http://www.agteca.com/climate
Peru liegt in den inneren Tropen. Peru besitzt drei völlig unterschiedliche Klimaregionen: Costa (Küste; ca. 11% der Staatsfläche), Sierra (Anden; ca. 15%), Selva (Regenwald, östl. der Anden; ca. 64%). Die Costa steht unter dem Einfluss des kalten, nordwärts fließenden Humboldt- oder Perustromes mit seinem Auftriebswasser und ist weitgehend eine Küstenwüste, in der nur entlang der aus den Anden kommenden Flüsse, in Flussoasen, Landwirtschaft möglich ist. Die Temperaturen sind hier das ganze Jahr relativ konstant; die mittlere Jahrestemperatur beträgt etwa 20 °C. Der unter dem Namen Garúa bekannte Küstennebel hüllt viele Berghänge der Sierra von Juni bis Oktober ein und liefert so genug Feuchtigkeit für das Wachstum der Grasdecke. Allerdings sind die Jahresniederschläge gering; oft werden 50 Millimeter unterschritten.
Im Süden Perus, an der Grenze zu Chile, beginnt die trockenste Wüste der Erde, die Atacama-Wüste. Im südlichen Bereich der Costa bis nach Lima, das ungefähr auf der Hälfte des Küstenstreifens liegt, sind Regenfälle während des Jahres extrem selten. Nördlich von Lima nehmen Bodenqualität und Regenfall etwas zu, so dass hier auch Landwirtschaft außerhalb der Flussoasen möglich ist. Die Temperaturen schwanken zwischen 12 Grad im Winter und 35 Grad im Sommer.
In der Sierra nehmen die Temperaturen zwar mit der Höhe rasch ab, jedoch liegt auf 3 300 Metern die mittlere Jahrestemperatur immer noch bei 16 °C. Im Allgemeinen fällt nur geringer Niederschlag, aber in einigen Gebieten treten von Oktober bis April mitunter heftige Regenfälle auf. In Cuzco, im südöstlichen Teil der Sierra, erreicht die jährliche Niederschlagsmenge 815 Millimeter.
Quellen: Wikipedia und MS Encarta Professional 2002
In Peru erfroren 1997 6 Menschen auf Grund eines Schneesturms. Und mehrere Tausend saßen in den höhergelegenen Gebieten fest. Starke Niederschläge hatten 1997 Überschwemmungen, Erdrutsche und einen Anstieg des Grundwassers zur Folge. Durch den Anstieg des Grundwassers wurden Verkleidungen von Kanälen aufgeschwemmt, zahlreiche Drainagen und Kanäle wurden verstopft. Die Schäden beliefen sich trotz Vorbeugung und Schutzmaßnahmen auf 20 Mio. Dollar.
Die Sierra (die hochgelegenen Berge der Anden) und das Altiplano (Hochplateau in ca. 4.300 m NN) erhalten unter El Niño-Bedingungen deutlich weniger Niederschlag, belegbar - außer durch meteorologische Messwerte - u.a. mit Seespiegelschwankungen des Titicaca-Sees.
Von der zerstörerischen Wirkung der Regenfälle sind auch Kulturdenkmäler wie die Lehmziegelbauten alter Indianerkulturen betroffen und auch die Linien der Nazca-Kultur (Peru).
La Niña hingegen bewirkt in den hohen Anden und im Altiplano reichlich Niederschläge, die sich günstig für Ackerbau und Viehhaltung (Lama- und Schafherden) auswirken, der Kleine Norden Chiles leidet aber unter verstärkten Dürren.
"El Niño": DRK entsendet Trinkwasseraufbereitungsanlagen nach Peru
Weltweiter Kampf gegen "El Niño" - Weitere Überflutungen in Peru
Das 5-köpfige Spezialistenteam des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das seit Samstag mit zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen in der peruanischen Stadt Ica (ca. 350 km S Lima) im Einsatz ist, hat inzwischen die komplette Trinkwasserversorgung der städtischen Armenviertel übernommen. Nach sintflutartigen Regenfällen war das Trinkwassernetz in der 180.000 Einwohner-Stadt völlig zusammengebrochen.
Damit ist das DRK im Zusammenhang mit dem Wetterphänomen El Niño jetzt auf zwei Kontinenten gleichzeitig im Katastropheneinsatz: In der ostkenianischen Stadt Garissa arbeitet bereits seit 20. Dezember 1997 ein DRK-Spezialistenteam jeden Tag bis zur völligen Erschöpfung. Täglich werden dort über 120.000 Liter sauberes Trinkwasser produziert, um so die Ausbreitung von Cholera und anderen Seuchen einzudämmen.
Beim Einsatz im peruanischen Ica werden ebenfalls täglich über 100.000 Liter Trinkwasser produziert, wie überhaupt das Katastrophenszenario in beiden Ländern durchaus ähnlich ist. Der Südamerikaeinsatz des DRK wird durch die Europäische Union und das Auswärtige Amt finanziert, und ist vom Peruanischen Roten Kreuz erbeten worden. DRK-Pressestelle Bonn (25.02.1998).Quelle: DRK
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Links: Starkniederschlag über der nordperuanischen Küstenwüste Der Abfluss dieser Niederschläge am 10.2.98 war verantwortlich für die Unterbrechung des Pan American Highway, die Überflutung von Huanchacito und den Bruch eines Erddamms bei Trujillo. Quelle: Dillon, M. Andean Botanical Information System Rechts: Niederschlag in ausgewählten Orten Perus 1997-98 und Vergleich mit dem normalen Niederschlag und dem Niederschlag während des El Niño 1982-83 Zu höher aufgelöster Version auf Bild klicken! |
Nach einer Internet-Veröffentlichung des DKRZ (nicht mehr existent)
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Links: Starkniederschlag im südlichen Brasilien Mitte: Austrocknender See im Nordeste Brasiliens Rechts: Jährliche Niederschläge und Vegetationsgürtel im NO Brasiliens Zu größerer Darstellung auf Bild klicken! Quellen: Thinkquest, Biociencia, Caviedes |
Im Anhang befinden sich ausführliche Materialien zu dem dt.-brasilianischen Entwicklungshilfe-Projekt WAVES (Water Availability and Vulnerability of Ecology and Society in the Northeast of Brazil - Wasserverfügbarkeit und Verletzlichkeit von Ökosystemen und Gesellschaft im Nordosten Brasiliens). Siehe auch das CLIVAR-Poster Hydrologic variability over the Amazon basin and its relationship with ENSO and NAO.
Ebenfalls im Anhang befindet sich eine Sammlung eindrucksvoller Fotos, die den Zustand der Galápagos-Inseln während des El Niño 1998 mit dem Zustand im Jahr 2000 vergleicht.
Weitere positive Informationen finden Sie im Anhang bei: El Niño and La Niña Impacts in Southeastern South America
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Links: Conceptual graphic showing what happens when a very strong El Nino strikes surface waters in the Central equatorial Pacific Ocean. Rechts: Conceptual graphic showing what happens during a La Niña event, when equatorial water becomes unusually cold and easterly trade winds blow stronger. Zu höher aufgelöster Version auf Grafiken klicken Quelle: MetEd / UCAR |
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Zyklon-Tätigkkeit über dem Indischen Ozean
Rechts: Anzahl der Tage mit Stürmen und Zyklonen
Quelle: WMO - World Climate News - June 2000 No. 17 |
Das International Research Institute for Climate Prediction (IRI) der Columbia University, NY, bietet gebietsbezogene, aktuelle Informationen über ENSO und seine Auswirkungen.
Allgemeine, englischsprachige Länderinformationen finden Sie im World Factbook der CIA auf der ENSO DVD oder im Internet.
Landeskundliche Informationen zu den lateinamerikanischen Ländern in englischer Sprache finden Sie über die Linkliste der Universität von Texas, Austin.
Allgemeine, deutschsprachige Länderinformationen sind auf folgenden Seiten zu finden:
Kontaktaufnahme zu Schulen in aktuell betroffenen Regionen über das "GLOBE"-Netzwerk über folgende URL:
Sinnvoll sind auch Kontaktaufnahmen zu deutschsprachigen Auslandsschulen.